Kultur : „Ungeheuerlich“

Kommentare aus Politik und Kultur.

Dieter Graumann,

Zentralrat der Juden in Deutschland

:

„Günter Grass’ Gedicht ist ein aggressives Pamphlet der Agitation. Nicht Israel, sondern der Iran bedroht den Frieden. Ein hervorragender Autor ist noch lange kein hervorragender Analyst der Nahost-Politik.“

Emmanuel Nahshon,

Israelischer Gesandter in Berlin
: „Was gesagt werden muss ist, dass es zur europäischen Tradition gehört, die Juden vor dem Pessach-Fest des Ritualmords anzuklagen. Früher waren es christliche Kinder, deren Blut die Juden angeblich zur Herstellung der Mazzen verwendeten, heute ist es das iranische Volk, das der jüdische Staat angeblich auslöschen will. Was auch gesagt werden muss ist, dass Israel der einzige Staat auf der Welt ist, dessen Existenzrecht öffentlich angezweifelt wird. Wir wollen in Frieden mit unseren Nachbarn in der Region leben. Und wir sind nicht bereit, die Rolle zu übernehmen, die Günter Grass uns bei der Vergangenheitsbewältigung des deutschen Volkes zuweist.“

Ralph Giordano,

Publizist
und Schriftsteller:

„Selten hat mich etwas so erschüttert. Diese Umkehrung der Tatsachen, wer hier wen bedroht, trifft mich persönlich besonders tief, weil sie aus dem Munde von Günter Grass kommt. Als die Welt über ihn herfiel, weil er als Achtzehnjähriger bei der Waffen-SS war (...), habe ich ihn verteidigt. Umso enttäuschter bin ich, dass Grass Israel nun als den eigentlichen Friedensstörer im Nahen Osten hinstellt. Günter Grass’ Poem ist ein Anschlag auf Israels Existenz.“

Johano Strasser,

Pen-Präsident
:

„Ich warne dringend vor Waffenexporten Deutschlands an eine israelische Regierung, die den Anschein erweckt, ein Krieg gegen den Iran sei unausweichlich.“

Micha Brumlik, Erziehungswissenschaftler:

„Ich finde es unsäglich und außerordentlich traurig, dass Grass seine dichterischen Künste dazu missbraucht, ein dummes Agitprop-Gedicht zu publizieren.“

Reinhold Robbe, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft:

„Selbstherrliches Moralgezeter und plumpe, primitive Rhetorik. Grass diskreditiert sich selbst – als Intellektueller wie als Künstler“.

Charlotte Knobloch, Ex-Präsidentin des Zentralrats der Juden

„Das Maß an Größenwahn, welches in diesen Zeilen zum Ausdruck kommt, ist bemerkenswert. Es ist geradezu tragisch und nicht frei von Peinlichkeit, für wie maßgeblich für den öffentlichen Diskurs Grass sich hält. Vor lauter Selbstüberhöhung verschweigt er, dass seine ,Breaking News’ inhaltlich schon tausend und ein Mal ausgesprochen wurden – zugegebenermaßen noch nicht in Gedichtform. Grass’ Verse sind ein klassischer Fall für Fremdschämen. Nach der Lektüre (...) bin ich nicht sicher, was oder wer hier von Wahn okkupiert wird.“

Tom Segev,

israelischer Historiker und Journalist
„Ich glaube, er kokettiert ein bisschen mit dem SS-Schweigen, das er gebrochen hat. Antisemitisch oder antiisraelisch ist Grass nicht. Für mich ist es so, dass ich lieber Literatur von Günter Grass lese und Atomanalysen von einem früheren Mossad-Chef.“dpa/dapd/Tsp

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