Kultur : Unkulturforum

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Frederik Hanssen sucht noch immer nach der Berliner Gemäldegalerie

Was soll denn das jetzt wieder? An der Fassade des Kunstgewerbemuseums prangt ein Großplakat. „Das MoMA in Berlin“ schreien die grellen Lettern den Vorbeiflanierenden entgegen. Klar, das wussten wir schon. Der Andrang vor der Nationalgalerie ist ja auch unübersehbar. Gerade hat die Ausstellung die 250000Besucher-Marke überschritten (siehe auch Seite 9). Im Kunstgewerbemuseum dagegen treten sich die Leute nicht auf die Füße. Weil weder die Berliner noch ihre Gäste wissen, was es da an Designschätzen, Porzellanpreziosen und Möbelraritäten zu sehen gibt. Als die Direktorin Angela Schönberger vor einiger Zeit beim Bezirksamt Mitte versuchte, die Erlaubnis für ein Fassaden-Plakat zu bekommen, das auf ihr Museum verweist, wurde ihr Anliegen zurückgewiesen. Wenn die MoMA–Werbung nun erlaubt wurde, mag es daran liegen, dass bestimmte Persönlichkeiten in der Leitungsebene der Staatlichen Museen ein starkes Interesse daran haben, dass die New Yorker Schau einen Erfolg einfährt. Das direkt benachbarte Kulturforum mit Kunstgewerbemuseum, Gemäldegalerie und Kupferstichkabinett wird dagegen ausgehungert.

Die einmalige Chance, bei den Leuten, die bis zu vier Stunden vor der Nationalgalerie warten, Interesse für die nahe liegenden Kunstschätze des Kulturforums zu wecken, wurde in der Generaldirektion noch nicht einmal in Erwägung gezogen. Erst nachdem Peter Raue, der Vorsitzende des Freundeskreises der Nationalgalerie, im Tagesspiegel die Verantwortlichen ausdrücklich dazu aufgefordert hatte, wurden den so genannten „Momanizern“, die sich um das Wohl der Wartenden kümmern, erlaubt, Flyer der Gemäldegalerie zu verteilen. Und, oh Wunder, es hängen nun sogar Plakate hinter den Glasscheiben, die auf aktuelle Sonderausstellungen der Staatlichen Museen verweisen. Na bitte, möchte man sagen: geht doch!

Dennoch liegt immer noch genug im Argen am Kulturforum: Am Seiteneingang zur Gemäldegalerie, gleich hinter der Nationalgalerie an der Sigismundstraße, ist beispielsweise nicht der geringste Hinweis darauf zu finden, was hier Spektakuläres drin ist. So wie auch auf dem gesamten traurigen Areal des Kulturforums nicht ein einziges Schild dem suchenden Touristen den rechten Weg zu den Alten Meistern weist. Doch, halt: Wenn der Suchende so richtig die Orientierung verloren hat – weil natürlich auch an der Fassade des Kupferstichkabinetts ein MoMA-Plakat leuchtet – stößt er an der unzugänglichsten Stelle des Geländes auf eine zwischen Blumenrabatten versteckte Tafel. Darauf, fein durchnummeriert, die Anrainer des Kulturforums: An Nummer zwei wird dem Betrachter Lust gemacht auf ein Restaurant an der Piazzetta, das freilich nie gebaut wurde. An Nummer sieben folgt dann die Gemäldegalerie. Und dort, ganz unten in der Liste, wird das Haus wohl auch bleiben, so lange Peter-Klaus Schuster die Staatlichen Museen zu Berlin leitet. Gefallen lassen muss sich das allerdings keiner, der Caravaggio, Dürer und Rubens liebt. So lassen sich beispielsweise Straßenschilder notfalls auch zu Wegweisern umfunktionieren. Wie wäre es also mit einer Bürgerinitiative zur Umbenennung der von der Potsdamer Straße abknickenden Sigismundstraße in, sagen wir, „Hier-geht’s-zur-Gemäldegalerie-Gasse“? Klingt doch verlockend.

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