Kultur : Unser Ding

JENS HILLJE

Es gibt gutes und schlechtes Theater.Ob es "Junges Theater" überhaupt gibt, und was es ist, werde ich erst in ein paar Jahren wissen, im Blick zurück, vom Alter gezeichnet.

Ich denke, es gibt das Theater einer anderen Generationserfahrung.Als mein Vater nach der Ausbildug Arbeit suchte, herrschte Vollbeschäftigung, keine Arbeitslosigkeit, unglaublich.Als ich eine bezahlte Arbeit suchte, gab es vier Millionen Arbeitslose in einem Land, das unfaßbar wohlhabend ist.Diese Erfahrung teile ich nur mit Leuten meines Alters - und meinem Großvater.Der lehnt sich nach fast neunzig Jahren in diesem Jahrhundert zurück, ohne Lächeln, und sagt: "Das haben wir doch schon immer gewußt, Kapitalismus ist Barbarei." Und da stehen wir nach dem Verwelken der alten Gegenentwürfe und suchen nach Antworten, mit denen man sich gegen den neuen Terror des ökonomistischen Denkens wehren kann.Doch die Wut über die Verhältnisse, in denen man gezwungen ist zu leben, und die Sehnsucht nach einer anderen Welt scheint dann mit zunehmendem Alter nachzulassen.Wir werden sehen.

Aber zurück zur Frage.Kann sein, es wirkt heute jung, wenn man zu einer nachpostmodernen Naivität zurückgefunden hat und sich sagt, wir haben Heiner Müller und auch die französischen Philosophen gelesen und geliebt, aber wir machen jetzt trotzdem unser Ding, wir wollen von uns erzählen.

Jens Hillje ist derzeit Dramaturg an der DT-Baracke und geht mit Regisseur Thomas Ostermeier an die Schaubühne.Die Frage stellten die Berliner Festspiele mit Blick auf die Festwochen, die am 1.September beginnen.Der Tagesspiegel druckt einen Teil der Antworten.Nächste Folge: Josef Tal.

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