Kultur : Unsere Tops & Flops

Peter von Becker


Top:

„The Ghost Writer“ von Roman Polanski. Ein Altmeisterwerk mit einem überstürzten, aber verblüffenden Finale.
Flop: „Jud Süß – Film ohne Gewissen“ von Oskar Roehler. Angesteckt von seinem toxischen Stoff: Die melodramatischen Szenen hätten auch Goebbels gefallen.


Kerstin Decker
Top: „How I Ended This Summer“ von Alexei Popogrebski. Eine Robinson-Freitag-Widerlegung, kalt und schön wie der arktische Sommer.
Flop: „Jud Süß – Film ohne Gewissen" von Oskar Roehler. So dumm wie sein Titel.


Karl Hafner
Top: „Plein sud“ von Sébastien Lifshitz. Bitter-süßes Roadmovie, das Saiten zum Schwingen bringt, die noch Tage später nachklingen.
Flop: „Submarino“ von Thomas Vinterberg. Schlimmer geht''s immer, nur wozu? Wir wissen, dass die Welt schlecht ist.


Silvia Hallensleben
Top: Der Berlinale-Geburtstags-Mashup-Trailer „Wohnung“ von Lola Randl. Mehr davon! Und jetzt alle mittanzen!
Flop: Die Video-Piratomania mit Taschenkontrollen und die Möchtegern-Fotografen, die das Berlinale-Terrain zum Hindernisparcours machen.


Sebastian Handke
Top: „Der Räuber“ von Benjamin Heisenberg und „Im Schatten“ von Thomas Arslan. Die Nouvelle Vague Allemande hat ihr Genre gefunden. Es ist der Krimi.
Flop: „Caterpillar“ von Koji Wakamatsu. Ein Rumpf im Reich der Sinne.


Julian Hanich
Top: „Im Angesicht des Verbrechens“ von Dominik Graf. Tolle Regie, tolles Drehbuch, tolle Darsteller.
Flop: „Caterpillar“ von Koji Wakamatsu. „Hässlich“ ist ein Urteil, das bei Filmen eher selten Verwendung findet. Dieser Film ist hässlich – sehr hässlich.


Nadine Lange
Top: „Mammuth“ von Benoît Delépine, Gustave de Kervern. Tief, tragisch, komisch – und Depardieu ist der Hammer.
Flop: „The Killer Inside Me“ von Michael Winterbottom. Widerlich, wie hier alle Frauen Misshandlung genießen müssen.


Harald Martenstein
Top: „Die Friseuse“ von Doris Dörrie. Der einzige Film, der (unabhängig von seinem künstlerischen Ewigkeitswert) stimmungsaufhellend wirkte.
Flop: „Jud Süß“ von Oskar Roehler. Also die Sexszene mit der armen Gudrun Landgrebe geht wirklich gar nicht.


Helmut Merker
Top: „Monga“ von Doze, Niu Chen-Zer. Gangs in Taipei: Blutstropfen in Kirschblütenmustern säumen den Weg der High-School-Kids bis zur Tempel-Mafia.
Flop: „Jud Süß“ –Film ohne Gewissen“ von Oskar Roehler. Wettkampf der Schmierenkomödianten – aus Schauspielergarde und Nazibande.


Frank Noack
Top: „The Ghost Writer“ von Roman Polanski. Allein wegen des Anfangs. So präzise ist schon lange nicht mehr eine Ausgangssituation etabliert worden.
Flop: „Howl“ von Rob Epstein & Jeffrey Friedman. Man kann Lyrik nicht in Prosa übersetzen, heißt es darin. Der Film übersetzt Lyrik in platt illustrierende Comics.


Christiane Peitz
Top: „Zeit des Zorns“ von Rafi Pitts. Ein verzweifelt starkes Stück Kino aus dem Iran. Man begreift, was dort los ist, seit der Wahl.
Flop: „The Killer Inside Me“ von Michael Winterbottom. Blöder Gewalt-Voyeurismus. Von einem intelligenten Regisseur, man begreift es nicht.


Daniela Sannwald
Top: „Bal“ von Semih Kapanoglu. Wegen der Zeitlosigkeit, der Langsamkeit und der Stille.
Flop: „Greenberg“ von Noah Baumbach. Wegen der Aufgeregtheit, der Belanglosigkeit und der Eitelkeit.


Christian Schröder
Top: „The Ghost Writer“ von Roman Polanski. Großartig altmodisch inszenierter Politthriller, mit einem MacGuffin-Finale wie von Hitchcock.
Flop: „Shutter Island“ von Martin Scorsese. Dröhnendes Horrorspektakel, das von der Subtilität der Vorlage kaum etwas übrig lässt.


Jan Schulz-Ojala
Top: „How I Ended This Summer“ von Alexei Popogrebski. Alles erfunden, alles wahr.
Flop: „Jud Süß“ von Oskar Roehler. Fast alles historisch, alles verlogen.


Christina Tilmann
Top: „Metropolis“ von Fritz Lang. Weil aus Filmgeschichte Gegenwart wird.
Flop: „Caterpillar“ von Koji Wakamatsu. Fünf Minuten Idee, quälende 80 Minuten breitgetreten. Wir haben verstanden.

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