Kultur : Unstillbare Sehnsucht

THEATER

Julia Ziegler

Tami (Margarete Steinhäuser) weint, sie schreit, singt um ihre verlorenen Kinder, um die Liebe ihres Lebens, die sie immer nur benutzt und nie zu ihr gestanden hat. Das Ein-Personen-Stück „Tami oder Frau Dietrich verschenkt ein Collier“ von Peter Wittig (noch bis zum 2.2. im Theaterforum Kreuzberg ) ist der russischen Tänzerin Tamara Matul gewidmet. Jahrzehnte lang hatte „Tami“ ein Verhältnis mit Rudolf Sieber, dem Ehemann von Marlene Dietrich – die Filmdiva war einverstanden. Während Marlene weit weg war und an ihrer Karriere als Weltstar arbeitete, wohnte Tami bei Sieber und der Dietrich-Tochter Maria, war für Maria „der Mensch, den ich am meisten liebte“, wie diese später schreiben sollte. Doch Tamis Existenz im Leben der Menschen, die ihr am wichtigsten waren, wurde immer geleugnet. Für die Öffentlichkeit war Tami Siebers „Sekretärin“ oder die „Gouvernante“ von Maria, Kinder von Sieber musste sie abtreiben. Die einst so fröhliche Tami litt zunehmend unter Depressionen, starb schließlich einsam in einem Irrenhaus.

Mit großer Ausdrucksstärke und schönen Gesangseinlagen spielt Margarete Steinhäuser vier Rollen gleichzeitig: Als Tami irrt sie verzweifelt in der Nervenanstalt umher, sonnt sich als selbstverliebte Marlene Dietrich in der eigenen Berühmtheit, ist im nächsten Moment ein schroffer Rudolf Sieber oder eine anhängliche Maria. Schade nur, dass Tami selbst in einem Theaterstück, das ihr gewidmet ist, blass erscheint. Gerne würde man mehr über sie und ihr Leben erfahren. Aber Marlene steht eben auch hier im Vordergrund.

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