Kultur : Unter Bierschwestern

Christoph Funke

30 Jahre hat Rudolf, der ergraute Diener, bei den nun ebenfalls angewelkten Brauerei-Erbinnen Heckendorf gedient - nun fordert er die von Charlotte, Cäcilie und Clementine in ihren Testamenten versprochene Dotation ein, für eine Weltreise. Die Damen freilich möchten das Geld behalten, selbst wenn sie auf den Diener und gelegentlichen Liebhaber verzichten müssen. Durch gegenseitige Erpressung wird die Gefühlslage hoffnungslos. Aber die vier wissen sich zu helfen - der Diener praktiziert einen vergammelten Hecht in einen als frisch servierten, die Damen reichern Rudolfs Likör mit Arsen an. So bleibt das Quartett schlussendlich in holder Seligkeit vereint. Wer sich an den Testamenten freuen darf, verraten Wolfgang Kohlhaase und Rita Zimmer, Autoren der Komödie "Fisch zu viert", nicht ...

Wie der Hecht des braven Rudolf Moosdenger erhielt dieses böse heitere Stück, seit 1970 in mehr als 170 Inszenierungen gespielt, jetzt eine Einlage: Couplets, Duette, Terzette, Ensembles aus dem Fundus des "englischen Offenbach" Sir Arthur Sullivan (1842 - 1900). Einige seiner "schönsten, heitersten, verrücktesten Melodien" (Programmheft) kamen zur Wiederverwendung als Zugabe zu einem Generationen später geschriebenen Theatertext. Die so entstandene "schwarze musikalische Komödie" erlebte nun als erste Produktion des von Maria Mallé nach der Schließung des Metropol-Theaters gegründeten Vereins Musikalische Komödie Berlin im theater im palais ihre Uraufführung. Das Leichte, das schwer zu machen ist, bekam hier eine Chance. Regisseur Hartmut Ostrowsky setzte auf eine Genauigkeit, die sich dem Humor der Musik anschmiegte. Ihm gelang es, Text und Lied zu einer Einheit zu bringen, die verschlungene Story anmutig zu erzählen. Zu danken ist das Brigitte Eisenfeld, Gerlinde Kempendorff, Maria Mallé und dem singenden Schauspieler Heinz Behrens. Die Damen charakterisierten die drei Bierschwestern mit Lust und Grazie. Von orgelnder Tiefe bis in die Höhen kunstvoller Koloratur ließen sie keine Option der "Comic-Opera" aus. Heinz Behrens lieferte mit seinem grimmig aufmüpfigen Rudolf ein besonderes Kabinettstückchen. Höhepunkt war, wie er als scheinbar Unterwürfiger die biestrige Charlotte der Maria Mallé mit dem schmelzenden Lied vom Bachstelzchen in seliger Erinnerung geradezu ertränkte.

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