Kultur : Unter Engeln, ohne Sex

THEATER

Christoph Funke

Mancher kommt schneller in den Himmel, als er das für möglich hält. Herbert, Medizinstudent, Anfang Zwanzig, hat wirklich nur eine Party in seiner Heimatstadt besucht, und ist schon oben unter den Engeln. Samt seinem Kumpel Siggi. Herbert starb an einer Überdosis fröhlichmachender Pillen, von denen er nichts wusste, Siggi an einem Baum, auf den er allzu beschwingt zugefahren war. Was für die beiden nun im Himmel abgeht, erzählt Jens Hollwedel in seinem Stück „Wie ein junger Gott...“, aufgeführt von Berliner Schülern zwischen 16 und 19 im theater 89 als Beitrag zum Projekt Theater und Schulen der Berliner Senatsverwaltung. Herbert und Siggi stehen „jede Menge“ Engel zur Verfügung, aber Sex geht unwiderruflich nicht, die dazu notwendigen Werkzeuge sind während der Himmelfahrt abhanden gekommen. Also versuchen die jungen Leute, Weisheit zu gewinnen, Verantwortung zu lernen, für Menschen da zu sein, die noch leben.

Nach fulminantem Beginn wird Hollwedels Stück sehr redselig, verhaspelt sich auch in seiner Argumentation, büßt an Witz und Gelassenheit ein. Aber das stört nicht, denn die jungen Leute spielen unter der Leitung des erfahrenen Regisseurs und theater- 89-Chefs Hans-Joachim Frank so frisch und lebendig drauflos, dass es eine helle Freude ist. Sie bauen Figuren mit heiterer Überlegenheit, gehen dabei immer wieder auf ihr Publikum zu, beherrschen die von Anne-Kathrin Hendel blitzgescheit einfach gebaute Bühne, als wären sie dort zuhause. (Die nächsten Aufführungen im theater 89, Torstraße, sind am 20., 21., 27. und 28. Februar, jeweils 20.00 Uhr.)

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