Kultur : Unter Geistern

Das Kolbe-Museum feiert Johannes Grützke

Jens Hinrichsen

Bloß kein Adler! Ein Schmetterling, Symbol der Metamorphose, soll die Spitze des Berliner „Friedensdenkmals“ beherrschen. Seinen Vorschlag für das vom Bundestagspräsidenten geforderte „Freiheits- und Einheitsdenkmal“ unterbreitete Johannes Grützke jüngst im Tagesspiegel. Im Georg-Kolbe-Museum sind nun Entwurfsskizzen zu sehen: Aus einer Verkehrsinsel auf der Bundesallee ragt ein riesiger Unterarm, die kräftige Männerhand umschließt einen dünnen Ast, auf dem das Flattertier sitzt. Realisierungschancen? Ungewiss. Aber das ist bei Grützke, der kürzlich seinen Siebzigsten feierte, zweitrangig. „Das Plastische“ – so der Untertitel seiner Geburtstagsschau – ist vor allem eine virtuelle Größe. So richtig entfalten kann sich Skulptur nur in den Ölbildern und Grafiken des Malers.

Die Keramiken, die Grützke ab 1997 fertigte, sind nach bildhauerischen Maßstäben – die gerade im Kolbe-Museum angelegt werden sollten – misslungen. Weiß glasierte Keramiken zeigen groteske Köpfe, die aus Tellern wachsen. Wie so oft lassen sich in den schlafenden, behörnten, mürrischen Charaktergesichtern Grützkes eigene Züge erkennen.

Grützke at his best ist dagegen in der Malerei zu erleben. Neben, zwischen und hinter gemalten Menschenfiguren tauchen immer wieder Skulpturen auf: Ein Bild zeigt Mitglieder der Schadow-Gesellschaft rund um den marmornen Kopf Johann Gottfried Schadows. Der Schöpfer der Quadriga „spricht“ mit einem toten Hasen, Vorstandsmitglied Grützke lehnt lässig auf seiner Büste. In einer ganzen Reihe von Gemälden geistert der modellierte Kopf des Dichters Wolfgang Kunert herum, andere Grützke-Bilder präsentieren Skulpturen, die realiter überhaupt nicht existieren.

Das Denkmal, das Grützke für Berlin vorgeschlagen hat, geht übrigens auf eine Skulptur aus rotem Ton von 1995 zurück: Der „Zweig“ zwischen den Fingern ist hier ein gewundenes Stück Draht. Und aufgespießt ist – der Garantiezettel für eine Sofortbildkamera. Der Entwurf harrt seiner Ausarbeitung. Jens Hinrichsen

Georg-Kolbe-Museum, Sensburger Allee 25, bis 27. Januar 2008, Di-So 10-17 Uhr

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