Kultur : Unter Hochdruck

Daniel Völzke

Städtischer Strukturwandel sorgt für immer neue unterhaltsame Clashs. Etwa wenn Galerien Quartier beziehen, wo Reifen vulkanisiert und kalte Platten bereitet werden. Nach dem Gewerbehof in der Zimmerstraße und den Osram-Höfen in Wedding entdeckt die Berliner Kunstwelt nun die bislang unverdächtige Heidestraße. Das Niemandsland zwischen Ost und West, unweit des Hamburger Bahnhofs, soll sich in einen Galerien-Hot-Spot verwandeln – mit Fernbahnanschluss am Hauptbahnhof.

Pioniere sind schon da: Die Spielhaus Morrison Galerie residierte bisher in einer Wohnung in der Reinhardtstraße, jetzt gilt es, eine Halle zu bespielen. Den Auftakt dazu machen Judy Millar , Sophia Schama und Uwe Wittwer (bis 11. November, Heidestraße 46-52) . Die neuseeländische Künstlerin Millar trägt ihre Kämpfe leuchtender Farben auf einer acht Meter breiten Leinwand aus. Endlich Platz! Zwei weitere großformatige Arbeiten hängt sie an Holzständer mitten in den Raum. Einen Gegenpol zur Millar-Wildheit bilden die zarten Grashalm-Bilder der bulgarischen Malerin Sophia Schama. Monochrom, trist und schön. Uwe Wittwer präsentiert aus Archiven gekramte, bearbeitete Fotografien, die er auf Papier druckt. Zusammen mit Schama bemalte er zudem eine riesige Wand: Die schwarz-weiße Bauernhaus-Idylle lässt den Besucher sogar kurz das Maschinendröhnen vergessen (Preise zwischen 9600 und 26 000 Euro).

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Gleich nebenan, ein Stockwerk über der Firma „Hochdruck Schlauch + Rohr“, eröffnete die Galerie Fruehsorge . Und als hätte der Galerist Angst, dass beim Umzug von der lauschigen Gartenstraße etwas verloren geht, nennt er die erste Gruppenausstellung „Hauptsache, wir bleiben zusammen“ (bis 11. November) . Künstler der Galerie für Zeichnungen wie Frank Badur oder Thomas Müller zeigen hier die Vielfältigkeit ihres Mediums (Preise auf Anfrage) . Schon in den nächsten Wochen richten die Londoner Großgaleristen Haunch of Venison hier eine Zweigstelle ein. Doch damit nicht genug: Mitte nächsten Jahres eröffnet – auf Initiative der Berliner Galeristen Kuttner Siebert, Jarmuschek & Partner und Wohnmaschine – auf der gegenüberliegenden Seite, hinter den Rieck-Hallen, ein 2000 Quadratmeter großes Kunstareal. Hier werden insgesamt acht Berliner und internationale Galerien ausstellen.

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