Kultur : Unter Palmen

Herrschaftlich: das Ensemble QuattroPlus auf Schloss Groß Rietz

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„Janis Joplin“ prangt es in bunten Lettern auf bröckelndem Grund. Um die Fenster ranken sich in sattem Grün gemalte Palmenblätter. Im ersten Stock von Schloss Groß Rietz sind sie noch zu sehen, Spuren, die die Nutzung märkischer Herrenhäuser nach 1945 hinterlassen hat. Dabei hat der Einzug von Aussiedlerfamilien das hochbarocke Ensemble nahe Beeskow weitgehend vor dem Verfall gerettet. Die hohen Räume wurden abgehängt, der Stuck an den Decken des um 1700 errichteten Schlosses blieb so oft intakt.

Jetzt atmen die Zimmerfluchten wieder Höhe, Licht und Großzügigkeit. 4,5 Millionen Euro werden einmal in die Instandsetzung geflossen sein, die von der gemeinnützigen Brandenburgischen Schlösser GmbH durchgeführt wird. Deren Projektleiter Stefan Karner geleitet die Gäste der Brandenburgischen Sommerkonzerte mit sachlicher Leidenschaft über mühevoll gerettete Originaldielen. Mögen die Nachfahren der Familie von der Marwitz auch grollen. Schließlich gibt es Gerichtsurteile zum Schloss Groß Rietz. Und so entdeckt Karner zwischen Putzproben und Resten von Wandmalereien eine fesselnde Baugeschichte ganz ohne Junkeranekdoten. Die würden ihm bei seiner dringlichsten Frage auch kaum helfen: Wer soll den Nutzen all der Mühen haben? Ein Hotel komme nicht in Frage, schließlich bietet der barocke Grundriss ohne Korridore keinerlei Erschließungsmöglichkeiten. Und bei dem Wort „Nasszelle“ spürt man, wie Karner sich innerlich schüttelt.

Aber vielleicht gelingt es ja der erstmalig stattfindenden Schlosskonzert-Reihe der Brandenburgischen Sommerkonzerte, neues Engagement für alte Gemäuer zu wecken. Hier wird mit dem Kartenpreis von 150 Euro auch ein Beitrag zum Erhalt der Baudenkmäler geleistet. In den prächtigen Rietzer Rohbau passte das Programm des Ensembles QuattroPlus bestens hinein - erkundeten die Musiker des Deutschen Symphonie-Orchesters doch den Zauber musikalischer Ökonomie: viel Melancholie aus ganz wenigen Figuren bei Philip Glass, knarziger Humor mit sparsamem Streichersatz bei Haydn, große Artistentrauer in knappen Szenen bei Strawinsky und poetische Größe aus kühner Wiederholung bei Schumann. Dass der Quartettklang dabei nicht immer perfekt geglättet wurde, machte die Interpretationen besonders eindringlich.

Wie sagte Jörg Schönbohm beim Abendessen: So ein Schloss ist außen romantisch - und innen realistisch. Ulrich Amling

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