Kultur : Unter Wert

Der Eichborn Verlag steht endgültig vor dem Aus

von

Es wird wohl kein glückliches Ende für den angeschlagenen Frankfurter Eichborn Verlag und seine knapp vierzig verbliebenen Mitarbeiter mehr geben. Am Mittwochabend hat der Gläubigerausschuss des insolventen Verlags das Angebot des Eigentümers des Aufbau Verlags, Matthias Koch, als unzureichend abgelehnt, nachdem kurz zuvor zwei andere Interessenten wieder abgesprungen waren, darunter vermutlich die Münchner Random-House-Gruppe. Das Angebot von Koch anzunehmen, „wäre einer Verschleuderung gleichgekommen“, so Insolvenzverwalter Holger Lesssing gegenüber der dpa, der Verlag wäre unter Wert verkauft und die Interessen der Gläubiger nicht gewahrt worden. Koch soll jetzt noch einmal ein modifiziertes Angebot vorlegen. Doch nach Lage der Dinge steht Eichborn nun endgültig vor dem Aus. Zumal Lessing die Lösung favorisiert, einzelne Teile des Verlags zu veräußern, so die angesehene „Andere Bibliothek“ und die Non-Book-Sparte, für die es mehrere Interessenten geben soll.

Das Herbstprogramm erscheint noch in dem nach der Insolvenz angekündigten Umfang, auch auf der kommenden Frankfurter Buchmesse ist der Verlag mit einem Stand präsent. Ein Frühjahrsprogramm ist nicht mehr geplant, und die ersten Mitarbeiter verlieren schon Ende des Jahres ihre Jobs. Im Juni 2012 soll der Betrieb dann endgültig eingestellt werden – so Matthias Koch nicht ein paar Euro drauflegt. Oder sich noch ein neuer Investor findet. Aber wo soll der herkommen? In der Branche scheint niemand mehr daran zu glauben, mit dem Eichborn Verlag Geld erwirtschaften oder ihn gar wieder auf eigene Beine stellen zu können. Trotz einer gewissen Tradition, die der Verlag sich in den über dreißig Jahren seines Bestehens erarbeitet hat, trotz eines eingeführten Namens. Die Strahlkraft der Marke reicht nicht mehr aus. Dem Programm fehlte im Belletristik- wie im Sachbuchbereich zuletzt das eigene Gepräge. Gerrit Bartels

0 Kommentare

Neuester Kommentar