Kultur : Untergang der Kursk: Chronologie von Lügen und Versagen

Samstag, 12. August: Aus ungeklärter Ursache reißt gegen 11.30 Uhr Ortszeit eine schwere Explosion ein Loch in die Bugwand des russischen Atom-U-Boots Kursk. Das 18 000 Tonnen schwere Boot sinkt 180 Kilometer nordöstlich von Murmansk 108 Meter auf den Meeresgrund.

Montag, 14. August: Zwei Tage später geben die russischen Behörden die Nachricht von dem Unglück bekannt. In der Mitteilung heißt es fälschlicherweise, das Unglück habe sich am Sonntag und nicht bereits am Samstag ereignet. Das Schiff sei auf Grund gesunken, Strom und Wasser seien vorhanden. Der Kernreaktor sei sicher abgeschaltet und die Behörden hätten "Kontakt" mit den Eingeschlossenen. Die Zahl der verunglückten Seeleute wird zunächst mit 107 angegeben, später dann mit 130, schließlich mit 116 oder 117.

Dienstag, 15. August: Präsident Putin und Russlands Flottenchef, Admiral Kurojedow, erklären, die Situation sei unter Kontrolle. Es laufe eine normale Bergungsaktion. Das Angebot schwedischer Spezialisten, ein Spezial-U-Boot zur Unglücksstelle zu bringen, lehnt Moskau ab. Die russische Marine versucht die Bergung mit Tauchkapseln.

Mittwoch, 16. August: Putin gibt die Zahl der verunglückten Seeleute endgültig mit 118 an. Die Andockmanöver der russischen Tauchkapseln scheitern. Russland akzeptiert das Hilfsangebot des Westens. Das britische Spezial-Tauchboot "LR5" wird nach Norwegen geflogen.

Freitag, 18. August: Die russischen Bergungsversuche gehen pausenlos weiter ohne Erfolg. Die russischen Medien kritisieren heftig das Verhalten von Präsident Putin. Der bricht seinen Urlaub auf der Krim ab, reist aber nicht zur Unglücksstelle, weil er dort - wie er sagt - nicht gebraucht werde.

Samstag, 19. August: Die russische Flottenführung gerät wegen der schlechten Ausrüstung und katastrophalen Informationspolitik zunehmend unter Druck. Sie muss einräumen, bei dem "Kontakt" zu den Eingeschlossenen habe es sich nur um vage Klopfgeräusche gehandelt. Russlands Flottenchef, Admiral Kurojedow, versichert, der Sauerstoff reiche bis zum 25. August. Nach Angaben des Chefkonstrukteurs der russischen Atom-U-Boote waren die Vorräte bereits am 16. August aufgebraucht.

Sonntag, 20. August: Der Rettungseinsatz der norwegischen Tieftaucher verzögert sich um 12 Stunden, weil angeblich russische Boote die Position für die westlichen Schiffe nicht freimachen. Den norwegischen Tauchern gelingt es, das Wrack zu öffnen. Die russische Marineführung spricht nun davon, dass alle Seeleute nach dem Unglück "augenblicklich" tot waren.

Montag, 21. August: Die Bergungsarbeiten werden eingestellt. Die Taucher berichten, dass die Schleusenkammer unter der äußeren Ausstiegslucke des U-Bootes mit Wasser gefüllt sei. Darum gebe es keine Überlebenden. Die 118 Besatzungsmitglieder der Kursk werden offiziell für tot erklärt.

Dienstag, 22. August: Großbritannien und die USA weisen die russische Behauptung zurück, eines ihrer U-Boote habe die Kursk gerammt und auf diese Weise das Unglück verursacht. Russland beharrt jedoch auf seinen Anschuldigungen.

Mittwoch, 23. August: Die Hinterbliebenen der Verunglückten kritisieren heftig Präsident Putin. Die auf hoher See geplante Trauerfeier sagen sie ab. Sie wollen warten, bis die Toten geborgen sind.

Sonntag, 22. Oktober: Norwegische Taucher bohren ein Loch in die äußere Hülle der Kursk. Drei Tage später beginnt die Bergung der ersten Opfer. Tsp

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