Kultur : Unternehmens-Kultur

Vor allem Banken, Versicherungen und Autohäuser investieren in Kunst – auch in wirtschaftlich schwachen Zeiten

Corinna Visser

Die Formate der Kulturförderung sind vielfältig. Sie reichen vom Sponsoring von Ausstellungen, dem Ausschreiben von Kunstpreisen und Stipendien, der Ausgestaltung von Unternehmensgebäuden, Ankäufen von Kunstsammlungen bis hin zur Entwicklung eigener Kulturkonzepte oder dem Betreiben von Ausstellungsräumen. „Firmen fördern Kunst hauptsächlich, um ihre gesellschaftliche Verantwortung zu demonstrieren“, sagt Andreas Unterreitmeier, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Unternehmensentwicklung der Ludwig-Maximilians-Universität in München. „Und sie sprechen damit Zielgruppen an, die auf die klassischen Werbeformen nicht mehr ansprechen.“ Das bestätigt auch Michael Holtermann von der Kunstberatung Art Matters in Berlin. „Über ein Engagement zum Beispiel bei einer hochrangigen Ausstellung erreicht ein Unternehmen vor allem eine sehr hochwertige Zielgruppe mit einem gewissen rein verfügbaren Einkommen. Die Marke und das Unternehmen wird mit einem herausragenden Produkt assoziiert“, sagt Holtermann. In einer immer unüberschaubarer werdenden Warenwelt wird es für Unternehmen immer wichtiger, sich zu unterscheiden und positive Aufmerksamkeit zu erregen. Die Förderung und das Sponsoring von Kunst ist ein Mittel dazu.

Das Problem ist allerdings, dass es kaum möglich ist, festzustellen, was Investitionen in Kunst dem Unternehmen am Ende bringen. „In Geld lässt er sich nicht messen“, sagt Andreas Unterreitmeier. Festgestellt haben die Wissenschaftler an der Uni München aber, dass im Gegensatz zum Sport die Sponsoren bei einem Kunst-Event viel stärker beachtet werden. „Beim Sport gibt es wesentlich mehr Konkurrenz und die Zielgruppe ist bereits recht abgestumpft“, sagt Andreas Unterreitmeier. Dafür ist Sport massenwirksamer – ein Grund, warum etwa 50 Prozent der Sponsorenbudgets der Unternehmen für den Sport und nur 26 Prozent für die Kultur ausgegeben werden.

Vor allem sind es Banken und Versicherungen, die sich im Kunstbereich engagieren, sagt Susanne Litzel, Geschäftsführerin des Kulturkreises beim Verband der deutschen Wirtschaft (BDI). „Und Automobilkonzerne“, fügt sie hinzu, „weil die einfach sehr viel Geld haben“. Knapp 90 Prozent der Ausgaben für Kultur in Deutschland trägt immer noch der Staat. Bund Länder und Gemeinden gaben nach Angaben des BDI zuletzt etwa sechs bis acht Milliarden Euro pro Jahr für den Kulturbetrieb aus, private Haushalte und Unternehmen investierten dagegen zusammen nur etwa 500 Millionen bis 800 Millionen Euro jährlich. „In den USA ist das Verhältnis genau umgekehrt“, sagt Susanne Litzel. „Aber in Europa liegen wir damit neben Großbritannien an der Spitze.“

Da die öffentlichen Kassen leer sind, wäre es natürlich ideal, wenn nun die Unternehmen einspringen würden und die Lücke füllen könnten. Doch die schlechte Wirtschaftslage lässt das nicht zu. Auch die Unternehmen müssen sparen. „Das Engagement für Kunst lässt in Krisenzeiten zahlenmäßig natürlich nach“, sagt Susanne Litzel. Natürlich werde in der angespannten Wirtschaftlage zu allererst an der Kunst gespart, sagt auch Kunstberater Holtermann. „Kunst im Unternehmen ist ein Luxusprodukt. Wenn ich als Unternehmer in einer Rezession Kosten reduzieren und Mitarbeiter entlassen muss, kann ich auf der anderen Seite nicht Geld ausgeben für etwas, das nicht zu meinem Kerngeschäft gehört.“

Trotzdem liege das Engagement für Kunst nicht völlig am Boden, sagt Susanne Litzel vom BDI, manche Bereiche nähmen sogar zu. „Einige Unternehmen nutzen die Krise, um neue Dinge auszuprobieren, die man bisher noch nicht versucht hat. Natürlich gibt es immer interne Vorwürfe und auch Kritik von Aktionären. Im Notfall muss man sich darüber hinwegsetzen.“

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