Unterricht zum Ersten Weltkrieg : Das Pferd als Botschafter

Wie Schülern der Erste Weltkrieg nahegebracht werden kann.

Alena Hecker

Geschichte? Langweilig. Politik? Gähn. Lange Gesichter sieht die Theaterpädagogin Viktor Krowas selten, wenn sie nach einer Unterrichtseinheit zum Ersten Weltkrieg eine Schulklasse verlässt. Im Gegenteil: „Oft haben die Schüler hinterher das Bedürfnis, zu sagen, wie toll das war und was sie alles verstanden haben.“

Am Stage Theater des Westens bildet Viktor Krowas Kinderdarsteller aus; gerade wird dort das Stück „Gefährten“ aufgeführt, das zur Zeit des Ersten Weltkrieges spielt: Darin geht es um den englischen Jungen Albert und sein Pferd Joey, das zu Beginn des Krieges an die Front muss. Albert, eigentlich zu jung für den Kriegsdienst, folgt seinem treuen Gefährten bis in die Schützengräben Nordfrankreichs. Schulklassen, die das Stück besuchen möchten, bietet Stage Entertainment begleitende Theaterworkshops an.

Das sei sinnvoll, sagt Krowas, um den Schülern Hintergrundwissen über den Krieg zu vermitteln. Begriffen wie „Heimatfront“, „Schützengraben“ oder „veränderte Waffentechnologie und daraus resultierende Grausamkeiten“ nähert sich die Pädagogin zusammen mit den Jugendlichen auf spielerische Art und Weise, indem sie über Bilder und Requisiten sprechen, die später im Theater zu sehen sind oder gemeinsam Szenen nachspielen, die auch im Stück vorkommen. „Die Schüler fühlen sich dadurch kompetent, weil sie etwas wiedererkennen und verstehen, worum es geht“, so Kowas. (www.gefährtenberlin.de)

Von Langeweile keine Spur

In eine ähnliche Richtung geht die Wissensvermittlung bei der Sonderausstellung über den Ersten Weltkrieg, die ab morgen im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen ist. Jugendliche zwischen zwölf und 14 Jahren können sich mit einem Multimediaguide durch die Ausstellung führen lassen. Darüber bekommen sie weitere Informationen zu den einzelnen Objekten und können bei einem Quiz mitmachen.

„Was wir uns wünschen, ist, dass Jugendliche genauso wie Erwachsene durch die Ausstellung gehen und für sich etwas Neues entdecken, das sie vorher nicht wussten“, sagt Brigitte Vogel aus dem Fachbereich Bildung und Vermittlung des Museums. Zum Beispiel die Anekdote zum Frauenhaar: Weil das in der Kriegsindustrie für Treibriemen und Dichtungen verwendete Kamelhaar nicht mehr zu beschaffen war, wurden die Frauen aufgerufen, ihr ausgebürstetes Haar zu spenden (s. Artikel oben). Es abschneiden und sich damit verunstalten sollten sie jedoch nicht.

Zusätzlich finden Jugendliche in der Ausstellung immer wieder den Bezug zur heutigen Zeit: Wie ist das jetzt mit den Grenzen Europas? Gibt es noch Monarchien? Wo und wie wird Giftgas heutzutage eingesetzt? Das Interesse ist so groß, dass „wir uns vor Schulklassen nicht retten können“, so Vogel. Und Langeweile? Keine Spur.

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