Kultur : Unvergessenes Rock-Quintett der Untoten

Hans Von Seggern

Stroboskop-Gewitter und Trommel-Donnergrollen vom Strubbelkopf hinter dem gigantischen Drum-Set. Dann Keyboard-Akkorde, eine sägende Gitarre: dramatisches Intro für Toto, das musikalische Relikt der achtziger Jahre. Die um fünf Session-Musiker gebildete Band ist nach praktisch einem Jahrzehnt weiser Zurückhaltung wiedererstanden, um ihre CD-Serie fortzusetzen. Mit der aufgesetzten Dramatik der Stimme des Sängers Bobby Kimball, der Einfallslosigkeit der auf den kommerziellen Erfolg berechneten Kompositionsweise und viel überflüssigem Gitarren-Pomp als zusätzlichem Ballaststoff vermochten die Studio-Profis die musikalische Öde der achtziger Jahre um manche Facette zu bereichern. Und so rockt nun das von der musik-technologischen Entwicklung überholte Quintett der Untoten vor dem Hintergrund einer imposanten Lightshow in der Columbiahalle an gegen das Vergessen. Sänger Bobby Kimball verblasst bei der Show neben Publikumsliebling Steve Lukather. Eine stimmige Figur in diesem Ensemble: Keyboarder David Paich, der hinter seinen Tasten-Türmen sitzt wie ein pickliger Teenie mit Popcorn und Pepsie vor dem Atari-Bildschirm. Die leicht angebauchten Senior-Rocker präsentieren eine musikalische Abgeh-Rock-Nummern-Revue mit eingeschobenen Instrumentalpassagen zum Sich-Wohlfühlen, Quatschen und Nicht-wissen-was-jetzt-abgeht-hier. Denn ein von den rhythmischen und melodiösen Widerborstigkeiten des Jazz-Rock der Siebziger inspiriertes Instrumental vermag das Publikum kaum zu goutieren. Erwartbare Höhepunkte schließlich die (einzigen) Hits der Band: der für die amerikanische Schauspielerin Rosanna Arquette geschriebene Love Song "Rosanna" und das verträumte "Africa". Toto - das verbindet sie mit Bands wie Supertramp und Foreigner - sind immer noch eine der langweiligsten Rock-Gruppen der Welt.

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