Kultur : Uran-Munition: Eine verräterische Substanz - Uran 236 entsteht in Atomreaktoren

Thomas De Padova

Wissenschaftler der Vereinten Nationen haben in der von den Amerikanern im Kosovo eingesetzten Uran-Munition Spuren von Uran 236 gefunden. Eine verräterische Substanz. Denn sie ist in natürlichem Uran nicht enthalten. Sie entsteht dagegen - neben einem ganzen Sammelsurium an Stoffen, darunter auch Plutonium - in Atomreaktoren und wird in Wiederaufbereitungsanlagen abgetrennt. Bedeutet dies nun, dass die Uran-Munition auch Plutonium in lebensbedrohlichen Mengen enthielt?

Die Forscher fanden Reste der uranhaltigen Munition an acht von insgesamt elf kontrollierten Orten im Kosovo. Bei genauer Analyse stellten sie fest, dass Uran 236 in einer Konzentration von 0,0028 Prozent vorhanden war. Ein scheinbar geringer Wert, doch so hoch, dass damit bewiesen ist: Das Uran 236 kann nur aus zivilen oder militärischen Atomanlagen stammen.

"Uran 236 entsteht, wenn Uran 235 ein Neutron einfängt", erläutert Gustav Rosner vom GSF-Forschungsinstitut für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg. Das geschehe im Brennstoffkreislauf. Denn Uran 235 ist der begehrte Ausgangsstoff für die Kernspaltung und Bestandteil der Brennelemente. Im Natururan ist es nur in geringen Mengen enthalten: zu 0,7 Prozent. Daher muss Uran 235 aus dem Natururan abgetrennt werden, um den nötigen Brennstoff zu bekommen. Was nach der Abtrennung zurückbleibt, ist das abgereicherte Uran, das überwiegend aus Uran 238 besteht.

Bisher dachte man, die Amerikaner hätten ihre Munition nur aus diesem abgereicherten Uran hergestellt. Solches Uran ist härter als Stahl und kann auch gepanzerte Fahrzeuge durchschlagen. Seine Strahlenwirkung dagegen gilt - wegen des zuvor extrahierten Uran 235 - als gering.

Der Uran 236 Anteil verrät, dass ein Teil - aber nur ein Teil - des Ausgangsmaterials für die Munition aus der Wiederaufbereitung stammt. Dort wurde es wohl zusammen mit anderen störenden Substanzen aus verbrauchten Brennstäben abgelöst - darunter auch Plutonium, das im Reaktor aus Uran 238 durch Neutroneneinfang entsteht. Wie das Uran 236 in die Munition gelangte, ist ungewiss. Aus seinem Nachweis nun abzuleiten, dass in gleichen Mengen das für die Gesundheit viel schädlichere Plutonium in der Munition zu finden sein müsste, ist bisher nur Spekulation.

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