• Uran-Munition: Stau im Informationskanal - Vom Stand der deutsch-amerikanischen Beziehungen

Kultur : Uran-Munition: Stau im Informationskanal - Vom Stand der deutsch-amerikanischen Beziehungen

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Als Joschka Fischer zum Antrittsbesuch bei Madeleine Albright weilte, unterhielt ihn die US-Kollegin mit der Geschichte vom siegreichen Pferd beim Kentucky Derby. "Es ist nicht leicht, grün zu sein", so der Name des edlen Tieres. Dass es mit den Grünen nicht leicht werden würde, war eine in Washington weit verbreitete Überzeugung. Die Realität seit Ende 1998 war anders. Für die transatlantischen Beziehungen gilt: Streit gibt es in Moral- und Wertefragen sowie im Handel. Auf dem klassischen Gebiet der Außen- und Sicherheitspolitik haben die Clinton-Administration und die Schröder-Regierung dagegen eine so gute Kooperation entwickelt, wie es Ende 1998 niemand zu hoffen wagte.

Fischer versteht sich gerade auch in Menschenrechtsfragen mit Albright, und in den Regierungszentralen Weißes Haus und Kanzleramt haben Sandy Berger und Michael Steiner ihren Draht. Auch die Zusammenarbeit von Rudolf Scharping mit seinem Noch-Kollegen Bill Cohen, dem einzigen Republikaner im Clinton-Kabinett, war besser als das Klima zwischen etlichen ihrer Vorgänger.

Wenn es nun wegen der Plutoniumspuren in der Uran-Munition zum Eklat kommt, dann auch deswegen, weil sich in Sachen Informationsaustausch Unzufriedenheit angesammelt hat. In Washington ist die Frontstellung einfach. Clintons Weißes Haus ist stets für mehr Offenheit gegenüber den EU-Partnern. Nur kann sich der Präsident nicht ständig über die Sicherheitsbedenken seiner eigenen Militärs hinwegsetzen. Das Pentagon mauert. Da Berger und Cohen die vergangenen zwei Jahre über an Macht gewannen und Albright im Regen stehen ließen, haben auch die US-Belange gegenüber den multilateralen an Gewicht gewonnen.

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