URAUFFÜHRUNGHans Werner Henzes „Phädra“ : Dem Leben abgetrotzt

Christine Lemke-Matwey

Eine in jeder Beziehung spektakuläre, gefährdete Produktion, diese Uraufführung von Hans Werner Henzes vorerst letztem, mythologisch inspiriertem Musiktheater „Phädra“ an der Staatsoper. Man nehme nur einmal die Titelpartie: Zunächst wünschte sich der Maestro Cecilia Bartoli als Koloraturmezzo. Diese verbrachte einen herrlichen Tag auf dem Henzeschen Anwesen in Marino bei Rom, man mochte sich, verständigte sich – und die Primadonna wartete auf eine kleine Kostprobe aus Henzes Feder für ihre Kehle. Leider vergebens. Dann sollte Magdalena Kozena die unglücklich liebende Ariadne-Schwester singen, die ihren Stiefsohn Hippolyt in den Tod treibt und sich selbst erhängt – und musste aus Krankheitsgründen absagen. Jetzt sind Maria Riccarda Wesseling und Natascha Petrinsky alternierend die Ausführenden.

Überhaupt schien lange fraglich, ob der 80-jährige Komponist die Partitur dieser Konzertoper würde vollenden können. Die Gesundheit spielte nicht mit, Henzes Lebensgefährte Fausto Moroni starb, das Schreiben machte Mühe. Die Arbeit mit seinem Librettisten Christian Lehnert, die Unterstützung vieler Freunde, habe es ihm dennoch ermöglicht. So Henze in seinem lesenswerten, in der eigenen künstlerischen Vergangenheit gründelnden „Phädra“-Werkbuch, das im Wagenbach Verlag erschienen ist. Ein Spätstück, dem Leben abgetrotzt. Und in zukunftsweisende Hände gelegt: Der bildende Künstler Olafur Eliasson besorgt den Raum, Michael Boder dirigiert das Ensemble modern, und Hausherr Peter Mussbach inszeniert. Christine Lemke-Matwey

Staatsoper, Do 6.9. (Uraufführung), 20 Uhr, Sa-Mo 8.-10.9., 20 Uhr, ab 7 €

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