Kultur : Urheberschutz: Wer soll das bezahlen?

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Michael Krüger, Leiter des Münchner Hanser Verlages und Schriftsteller, fordert einen "Runden Tisch" für den Urheberschutz im Internet. Wie bei der Buchpreisbindung müsse die Politik endlich "aufwachen". Von Bundeskulturminister Julian Nida-Rümelin erwarte er dazu, wie er gegenüber dpa erklärte, eine bundesweite Initiative: "Das Copyright ist sonst nicht mehr zu halten." Schon heute sei es nicht mehr möglich zu prüfen, wer alles weltweit gegen den Schutz geistigen Eigentums verstößt. Es müsse, so Krüger, "auch im Internet endlich Rechtssicherheit geben. Sonst wird der Raub geistigen Eigentums zum Gewohnheitsrecht".

Scharfe Kritik übte er an der Verlagsgruppe Bertelsmann, die im letzten Jahr mehrheitlich bei der Internet-Musik-Plattform Napster eingestiegen ist. "Der Kauf wird mit dem Ende des Urheberschutzes belohnt." Bertelsmann will aus der kostenlosen Musiktauschbörse von urheberrechtsgeschützten Stücken ein Abonnentenmodell machen.

Krügers Wunsch nach Rechtssicherheit ist unterstützenswert - die fundamentalistische Haltung, die dabei anklingt, ist es nicht. Autoren- und Verlegerrechte sind schon jetzt keineswegs ungeschützt. Nur ihre Kontrolle ist problematisch. Auch lässt sich die Situation von Musikbörsen mit Textpiraterie nicht vergleichen. Grundsätzlich gilt es einzusehen, dass die Mischung von kostenlosen und zu bezahlenden Angeboten, ja auch eine gewisse Grauzone, die atmosphärische Grundlage des e-Commerce bildet.

Unterdessen soll in Frankreich eine Urheberrechts-Abgabe für jeden neu verkauften Computer eingeführt werden, wie sie seit Jahresbeginn in Deutschland gilt. Mit der Abgabe sollen die Rechte von Verlegern und Künstlern abgegolten werden. In Deutschland wurde von den Verwertungsgesellschaften Wort und Bild-Kunst die Abgabe auf 58,67 Mark pro Computer festgelegt. Am 22. Januar wird in Frankreich außerdem eine Abgabe zugunsten von Kulturschaffenden auf digitale Datenträger wie CD- oder DVD-Rohlinge eingeführt. Eine für 74 Minuten ausgelegte unbespielte Audio-CD wird dann mit 3,70 Franc (1,10 Mark) belastet, eine beschreibbare DVD mit 24,75 Franc(7,37 Mark). Für andere Datenträger wie MiniDisc und Speicherkarten für MP3-Spieler gelten vergleichbare Sätze.

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