Kultur : Urlaub macht naß

CHRISTIAN SCHRÖDER

Sanft schaukeln die Wellen, aus dem Wasserhahn tropft ein Calypso-Rhythmus, und Harry Belafonte singt dazu: "This is my island in the sun". So schön kann Urlaub sein, wenn man ihn im Keller verbringt. In "Südsee, eigene Insel" gerät die Welt ins Schwimmen. Der Manager Albert Bursche (Herbert Knaup) verliert den Boden unter den Füßen, als sich ein Anlagebetrüger mit seinem Geld davonmacht. Die Tickets für den anstehenden Flug in die Südsee sind noch nicht bezahlt, und die Bank rückt kein Geld mehr raus, weil das protzige neue Familienhäuschen am Münchener Stadtrand überschuldet ist. Also beschließt Bursche, die nächsten Wochen nicht an fernen Gestaden, sondern im Untergeschoß der eigenen vier Wände zu verbringen. Niemand darf wissen, daß er pleite ist: Sonst ist er seinen Job als Finanzexperte einer Konzernzentrale los. Nach außen muß die Fassade des erfolgreichen Geschäftsmanns und wohlsituierten Familienvaters aufrecht erhalten bleiben. Seiner Frau (Andrea Sawatzki) und der Tochter (Alexandra Maria Lara) sagt Bursche erst am Flughafen, wohin die Reise geht. Das führt zum Familienkrach, doch dann raufen sich alle zusammen, um gemeinsam die Krise im Keller auszusitzen.

"Südsee, eigene Insel" ist eine Komödie über die Abgründe des Angestelltendaseins. Dem Absturz des Krawattenmannes folgt man erst mit Schadenfreude, dann mit Mitleid. Seine stärksten Momente hat der Film, wenn er zeigt, wie es dem Manager langsam dämmert, daß er im Schlamassel steckt. Das Geschäftsessen kann er nicht zahlen, weil seine Kreditkarte gesperrt ist, in der Bank hat keiner für ihn Zeit, und seine Tochter will mehr Taschengeld. Herbert Knaup spielt das mit unbewegter Miene, nur seine zerknautschte Stirn zeigt an, was in ihm vorgeht: der kleine Mann als tragische Figur, ein Jedermann in der Heinz-Rühmann-Nachfolge. Richtig böse wird der Humor in Thomas Bahmanns Lustspiel nie, stattdessen kommen ein paar krawallklamottige Nebenfiguren ins Spiel: ein Großkotz-Nachbar (Ben Becker), ein Slam-Poetry-Dichter (Oliver Korittke), ein Blockwart mit Dackel (Heinrich Giskes). Am Ende kippt die Stimmung ins Surreale, als ein Wasserrohr bricht und der Keller sich in ein Aquarium verwandelt. Der Witz des Filmes ist lange vorher abgesoffen.

Auf acht Berliner Leinwänden

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