US-amerikanischer Musiker und Produzent : Jazz-Sänger Al Jarreau ist tot

Er war berühmt für seine Stimmakrobatik. Vor kurzem hatte er seine Bühnenkarriere wegen Erschöpfung beendet. Jetzt ist der preisgekrönte Sänger Al Jarreau im Alter von 76 Jahren gestorben.

Der US-amerikanische Musiker und Sänger Al Jarreau am 07.07.2011 in Darmstadt
Der US-amerikanische Musiker und Sänger Al Jarreau am 07.07.2011 in DarmstadtFoto: Marc Tirl/dpa

Der Jazz-Sänger Al Jarreau ist tot. Der vielfach preisgekrönte Stimm-Akrobat starb am Sonntag im Alter von 76 Jahren, wie sein Agent Bob Zievers der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. „Al ist gegen 5.30 Uhr friedlich in einem Krankenhaus in Los Angeles entschlafen. Familienmitglieder und einige enge Freunde waren dabei.“

Der Sänger war vor kurzem aufgrund von Erschöpfung in das Krankenhaus eingeliefert worden und hatte seine Karriere daraufhin als beendet erklärt. Auf ärztlichen Rat hin habe er geplante Auftritte abgesagt und trete in „vollständiger Trauer“ vom Tour-Leben ab, hieß es. Auftritte waren auch in Oldenburg, Karlsruhe und Düsseldorf geplant.

Konzert in der Berliner Philarmonie im November 2016

Gestützt auf eine Krücke und seinen musikalischen Direktor kam Al Jarreau vergangenen November auf die Bühne der Berliner Philharmonie. Sitzend gab er ein Konzert mit Duke Ellington-Standards und beglückte sein Publikum trotz einiger Intonationsprobleme noch einmal mit seiner berühmten Stimmakrobatik – dem Schnalzen, Springen, Zerren, Dehnen, dem Scat-Gesang.

Al Jarreau kam 1940 in Milwaukee als Sohn eines Pfarrers zur Welt. Als Kind sang er im Kirchenchor und mit seinen Brüdern. Nach der Schule schloss er ein Psychologiestudium ab, wurde Sozialarbeiter und zog schließlich nach Los Angeles, um sein Glück mit der Musik zu versuchen. Er trat in Nachtclubs auf und erregte 1975 mit dem Jazzalbum „We Got By“ erstmals Aufsehen.

Der Durchbruch kam zwei Jahre später mit dem Live-Doppelalbum „Look To The Rainbow“, das ihm seinen ersten Jazzgesang-Grammy einbrachte. In den folgenden Jahren orientierte sich Jarreau stärker in Richtung R’n’B und Pop. 1986 nahm er mit Nile Rodgers „L is For Lover“ auf und hatte einen Hit mit der Titelmelodie der Fernsehserie „Moonlighting“.

Nachdem seine Fusion-Werke in den Neunzigern an Esprit verloren, waren „Accentuate the Positive“ (2004) und das mit George Benson eingespielte „Givin It Up“ (2006) späte Karriere-Höhepunkte des Stimmakrobaten.

Von Obama ins Weiße Haus eingeladen

Noch vor wenigen Tagen hatte Jarreaus Management dann hoffnungsvoll verkündet, dass er sich gut erhole. Sein Sohn habe ihn sogar dabei ertappt, wie er einer Krankenschwester seinen Hit „Moonlighting Theme“ vorgesungen habe.

Jarreau war noch vergangenes Jahr einer Einladung des damaligen US-Präsidenten Barack Obama ins Weiße Haus gefolgt und unter anderem auch bei den Jazztagen in Dresden aufgetreten. Auch in Berlin begeisterte er noch im vergangenen Jahr sein Publikum mit einem Programm aus dem Duke Ellington Songbook. Der charismatische Gesangsvirtuose aus Milwaukee (Wisconsin) mit dem großen Mund, mit Charme und Witz wurde in vielen Ländern verehrt. (nal/dpa)

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