Kultur : US-Historiker Peter Fritsche über den Erfolg der nationalsozialistischen Bewegung

Ralf Balke

Die Abhandlungen über Deutschlands Abgleiten in die Nazi-Diktatur füllen ganze Bibliotheken. Doch immer wieder gibt es noch interessante Ansätze bei der Beantwortung der berühmten Frage nach dem "Warum". Der US-Historiker Peter Fritzsche sieht den Anfang der Entwicklung, an deren Ende das Hitler-Regime stand, bereits im Sommer 1914 und in der breiten "Identifizierung mit der Sache eines größeren Deutschlands". In der einmaligen "organisatorischen Beweglichkeit des Deutschen aus dem Mittelstand", der seiner antirepublikanischen Haltung nach 1918 durch "proletarische" Demonstrationen und Aufmärsche einen machtvollen Ausdruck verlieh, sieht Fritzsche die Plattform, auf der die Nazis aufbauen konnten. Das eigentliche Geheimnis ihres Erfolges sieht der Autor aber in der Fähigkeit, nationale und soziale Erwartungen zu erfüllen. Hugenbergs Deutschnationale verprellten durch ihre reaktionäre Haltung zur sozialen Frage die Fabrikarbeiter, die Kommunisten wiederum betonten das Soziale und gewannen damit fast nur die Arbeiterschaft. Nur den Nazis gelang es, alle populistischen Forderungen und die verschiedenen Vorstellungen von der Idee einer Volksgemeinschaft anzuerkennen und sich als deren Interessenvertreter zu präsentieren.Peter Fritsche: Wie aus Deutschen Nazis wurden. Pendo Verlag, Zürich 1999. 274 Seiten. 48 DM

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