Kultur : US-Magazin attackiert Frankreichs Kultur

Zwischen Frankreich und den USA tobt ein neuer Kulturkampf. Der Angreifer: das US-Magazin „Time“. In seiner aktuellen Titelgeschichte „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, die in der europäischen Ausgabe die Überschrift „Der Tod der französischen Kultur“ trägt, behauptet das Magazin, die Kultur der Grande Nation sei bedeutungslos geworden. So sei die Pariser Künstlerszene, einst Geburtsstätte des Impressionismus und Surrealismus, längst von London oder New York in den Schatten gestellt. „Time“ fragt nach Malern von heute mit der Brillanz eines Claude Monet, nach Schriftstellern mit der Wortgewalt eines Marcel Proust, Chansonsängern à la Edith Piaf und Filmemachern vom Format eines François Truffaut oder Jean-Luc Godard. Der letzte französische Kassenschlager sei „Ratatouille“ gewesen, eine US-Produktion des Pixar-Studios.

Lauter falsche Behauptungen, kontert Kulturministerin Christine Alabanel. Die Tageszeitung „Libération“ findet die Attacke „frech“, „Le Figaro“ kritisiert das „eilfertige Urteil, mehr nostalgisch als objektiv“. Die Zeitungen verweisen auf aktuell erfolgreiche französische Künstler, von der Opernsängerin Natalie Dessay bis zur Band Air, und auf die weltweiten Erfolge von Frankreichs Architekten Jean Nouvel oder Christian de Portzamparc.

„Time“ seinerseits setzt Hoffnungen auf Frankreichs „wütende, ambitionierte Minderheiten“ und erwähnt die Regisseure des cinéma beur oder die französisch-iranische Comiczeichnerin Marjane Satrapi, die international gerade mit ihrem Film „Persepolis“ Furore macht. Neid spielt anscheinend auch eine Rolle: Der Artikel hebt hervor, wie viel Geld Frankreich für seine Kulturförderung ausgibt: 1,5 Prozent der Wirtschaftsleistung. Im Vergleich zu Deutschland ist das mehr als das Doppelte. dpa /Tsp

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