Kultur : US-Truppen demolieren das alte Babylon

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Amerikanische Truppen haben der antiken Ruinenstadt Babylon im Irak nach einem Bericht des Britischen Museums „erheblichen Schaden“ zugefügt. Die Residenz König Nebukadnezars II. (605562 v.Chr.) ist seit fast zwei Jahren von einem Stützpunkt der Besatzungstruppen umgeben. „Das ist in etwa so, als wenn man ein Militärlager um die großen Pyramiden von Ägypten oder um Stonehenge in Großbritannien einrichten würde“, so John Curtis, Konservator des Britischen Museums, in dem Bericht.

Das im April 2003 eingerichtete Lager sollte Babylon vor Räubern und Vandalen schützen. Der Bericht kritisiert jedoch, dass darüber hinaus in unmittelbarer Nähe ein ausgedehntes Lager aufgebaut wurde. Dabei wurden unter anderem die Drachen des berühmten Ischtartors beschädigt, weil jemand versucht hat, Ziegelsteine herauszubrechen. Der Belag der 2600 Jahre alten Prozessionsroute durch das Tor wurde durch Militärfahrzeuge aufgerissen. Teile der Ausgrabungsstätte sind mit abgelassenem Benzin aus Panzern verseucht oder unter abgeladenem Schotter begraben. Zahllose archäologische Fragmente wurden von den Soldaten zusammen mit Erdreich in Tausende von Sandsäcken abgefüllt.

Curtis fordert eine größere Untersuchung und Bereitstellung internationaler Mittel, um die Denkmäler wieder herzustellen. Die Iraker allein könnten das nicht leisten. Lord Redesdale, der Vorsitzende einer parteiübergreifenden archäologischen Gruppe des britischen Parlaments, sagte: „Empörung ist kaum das richtige Wort, das ist einfach entsetzlich. Was die amerikanischen Soldaten da tun, schadet nicht nur der Archäologie des Iraks, sondern beschädigt das kulturelle Erbe der ganzen Welt.“ dpa

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