Kultur : US-Wahl: Bloß keine Abkühlung

Hendrik Bebber

"George W. Bush ist Schulbildung so wichtig, dass er sie sich nach einem Wahlsieg selber aneignen will", hieß es vor den US-Wahlen hinter vorgehaltener Hand in britischen Regierungskreisen. Dieser Seitenhieb zeigte, wie sehr Bill Clinton bei Tony Blair geschätzt wurde - nicht zuletzt deswegen, weil beide an der Nobeluniversität Oxford studierten. So hatte sich der britische Premierminister insgeheim einen Sieg von Clintons Favorit Al Gore erhofft, um auch persönlich das "spezielle Verhältnis" zu den Vereinigten Staaten fortsetzen zu können. Offiziell aber hütete sich die britische Regierung bis zum Schluss vor jeglicher Stellungnahme im amerikanischen Wahlkampf. Tony Blair wollte nicht den Fehler seines Vorgängers John Major wiederholen. Dieser hatte 1992 offen die Kampagne von George Bush Senior unterstützt. Das Verhältnis zwischen Washington und London kühlte deswegen nach Clintons Sieg merklich ab, und "Bill" traf sich viel häufiger mit seinem deutschen Freund "Helmut" als mit John Major.

Die neue britische Labour-Regierung sah den Präsidentschaftskandidaten Gore als Garant für die Kontinuität der guten Beziehungen und Zusammenarbeit, während Bush als unberechenbare Größe gesehen wurde. Die Konservativen hingegen hofften auf einen Sieg der Republikaner, die wie sie die Ideologie eines "mitfühlenden Konservativismus" vertreten. In vielen britischen Zeitungen wurde der Albtraum von Bushs Heimatstaat Texas beschworen, in dem die soziale Schere zwischen Reich und Arm auseinander klafft.

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