Kultur : US-Wahl: Nur keine Aufregung

Thomas Kröter

Das ist einer der wichtigsten Unterschiede zwischen Regierung und Opposition: Wen die Wähler von der Macht fern halten, der muss nicht so diplomatisch sein. Deswegen konnte Michael Glos, dessen Sache das Diplomatische ohnehin nicht ist, sich vorher festlegen: Ihm wäre ein Sieg von George Bush lieber, hatte der Landesgruppenchef der CSU im Bundestag schon gesagt, da hatten die Amerikaner mit dem Wählen noch nicht einmal begonnen. Irgendwo auf der Welt, meinte der Bayer, der immer noch mit dem Dasein in der Opposition hadert, müsse ja endlich mal Schluss damit sein, dass die ganze Welt nach links rutsche.

Derlei Töne waren im Vorfeld der Wahl von den verantwortlichen Politikern selbstverständlich nicht zu hören: Äquidistanz lautete die Devise im Kanzleramt wie im Auswärtigen Amt. Auch das ist nicht ganz der richtige Ausdruck, nicht gleiche Distanz, sondern gleiche Nähe zu den potenziellen Präsidenten - darauf hatten Bundeskanzler Gerhard Schröder wie Außenminister Joschka Fischer wert gelegt. Das ist die Erfahrung der Bundesrepublikanischen Geschichte, die sich - neue Rolle des geeinten Deutschland hin oder her - zwischen Bonn und Berlin nicht geändert hat: Die deutsch-amerikanische Freundschaft ist eine Konstante der bundesdeutschen Politik. Transatlantisch hat sie eine so grundlegende Bedeutung wie das deutsch-französische Verhältnis in Europa. Daran ändern auch die Wechsel von Präsidenten nichts - in Paris nicht und nicht in Washington.

Auch wenn die Beziehungen mit neuen Administrationen immer mal wieder schlechter waren als die eingespielten, die Akteure diesseits und jenseits des Atlantik haben immer wieder ein vernünftiges bis freundschaftliches Verhältnis zueinander gefunden. Man habe in der Vergangenheit mit Republikanern wie mit Demokraten gut zusammengearbeitet, meinte der Koordinator für deutsch-amerikanische Beziehungen, der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Karsten Voigt.

Wie schnell man ein solches Verhältnis fnden kann, das hat Außenminister Joschka Fischer gemerkt. Wegen seiner radikalen politischen Vergangenheit war er von der US-Regierung misstrauisch beäugt worden. Doch dann verstand er sich mit der Washingtoner Außenministerin Madeleine Albright fast auf Anhieb so gut, dass es besser kaum sein könnte.

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