Kultur : US-Wahlchaos: Am Ende entscheidet der Kongress - oder Bushs Bruder

Womöglich steht erst im Januar fest, wer der 43. US-Präsident wird. Die nächsten Schritte im Streit um die Präsidentschaft.

Handzählung in Florida

Laut der Anordnung des Obersten Gerichts von Florida müssen dort umgehend alle Stimmen überprüft werden, die bisher nicht gewertet wurden, weil sie nicht richtig gestanzt waren. Dies gilt insbesondere für 9000 noch umstrittene Stimmen aus dem Bezirk Miami-Dade. Wie lange das Zählen dauert, darüber waren sich die Experten am Freitag nicht einig. Laut Gore-Anwalt David Boies könnten vier Zähler in zehn Stunden mit 14 000 Stimmen fertig sein.

Erneute Klage vor Verfassungsgericht

Bush kündigte nach Verkündung des Urteils an, er werde es vor dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten anfechten. Experten rechneten damit, dass er eine einstweilige Verfügung gegen die Handzählung beantragen werde. Am Montag hatte das Verfassungsgericht ein anderes Urteil des Obersten Gerichts von Florida mit der Forderung nach einer besseren Begründung zurück nach Tallahassee geschickt.

Floridas Parlament schreitet ein

Die republikanische Mehrheit des Parlaments von Florida hat bereits die notwendigen Schritte eingeleitet, um die 25 Wahlmänner des Staates notfalls eigenhändig zu ernennen, falls bis Dienstag kein unumstrittener Sieger feststeht. Die Abgeordneten und Senatoren wollen damit vermeiden, dass das Wahlmännerkollegium am 18. Dezember ohne die Elektoren aus Florida den nächsten Präsidenten wählt. Die Debatte in der Volksvertretung des Bundesstaates über die bereits eingebrachte Resolution ist für Dienstag geplant. Die Vorlage beruht auf dem vorläufigen Wahlergebnis vom 14. November, laut dem George W. Bush um 930 Stimmen vorne lag. Ohne Florida kommt Gore landesweit auf 267 Wahlmänner, Bush auf 246.

Abstimmung im US-Kongress

Liegen aus Florida zwei konkurrierende Listen mit Wahlmännern vor - eine für Gore und eine für Bush -, dann ist der neu gewählte US-Kongress gefragt, der am 5. Januar zusammentritt. Im US-Repräsentantenhaus haben die Republikaner die Mehrheit, im Senat steht das Verhältnis 50:50. Bei einem Patt hat der amtierende Vizepräsident Al Gore in seiner Eigenschaft als Senatspräsident die entscheidende Stimme. Votieren das Repräsentantenhaus und der Senat für unterschiedliche Elektorenlisten aus Florida, dann gelten die Wahlmänner, die von der Exekutive des Bundesstaates anerkannt werden. Gouverneur in Florida ist George W. Bushs Bruder Jeb.

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