Kultur : USA, Irak: Stimmen aus „Old Europe“

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Bei einer Europa-Konferenz des Potsdamer Einstein-Forums kommentierten gegenüber dem Tagesspiegel prominente Europäer die jüngsten Äußerungen von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld:

Leoluca Orlando , ehemaliger Bürgermeister von Palermo: „Deutschland und Frankreich handeln richtig, wenn sie im Namen des alten, des neuen und des künftigen Europa Nein zum Krieg gegen den Irak sagen. Wir brauchen Europa nicht als großen Staat oder als Machtgefüge, sondern als Vision von Frieden, Toleranz und Zivilisation. Die USA, die einmal aus einer Vision heraus geboren wurden, laufen mit diesem Krieg Gefahr, ihre Vision aus den Augen zu verlieren.“

Slavenka Draculic, kroatische Schriftstellerin: „Wäre Rumsfeld nicht der oberste Weltpolizist, müsste sich niemand dafür interessieren, was er über das ,alte Europa’ sagt. Und dass er sich auf einmal für das ,neue Europa’ interessiert, ist für die Menschen in den süd- und osteuropäischen Ländern sehr überraschend. Bleibt die Frage, ob diese Länder mehr hinter der Irak-Politik der USA stehen als das ,alte Europa’. Tatsächlich haben die Menschen in den EU-Beitrittsländern andere Probleme. Es ist dumm und falsch, Europa in alt und neu zu unterteilen. Das entpricht altem imperialistischem Denken.“

László Földényi, ungarischer Schriftsteller: „Es gibt zwei europäische Traditionen: die griechisch-antike, die uns dazu anhält, maßvoll zu sein, und die jüdisch-christliche, die uns zur Moral verpflichtet. Falls also maßvolles moralisches Handeln „alt“ bedeutet, bin ich für das alte Europa. Die USA, die den Irak mit Krieg bedrohen, handeln maßlos und unmoralisch. Rumsfelds Aussage über das „alte Europa“ ist ein Versuch, die europäischen Staaten gegeneinander auszuspielen.“

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