• USA und China: Stimmung machen im Volk: Propaganda soll die Chinesen gegen die Amerikaner aufbringen

Kultur : USA und China: Stimmung machen im Volk: Propaganda soll die Chinesen gegen die Amerikaner aufbringen

Harald Maass

Auch aus Krisen kann man außenpolitische Erfolge gewinnen. Pekings Führer wissen dies spätestens seit der Zerstörung der chinesischen Botschaft in Belgrad vor zwei Jahren. Als US-Jets damals irrtümlich das chinesische Botschaftsgebäude zerbombten und drei Diplomaten töteten, inszenierte China eine Massenhysterie im Volk. Tagelang demonstrierten Studenten vor der US-Botschaft in Peking, diplomatische Kontakte wurden unterbrochen. Am Ende musste Washington öffentlich sein "Bedauern" für den Vorfall ausdrücken und eine Entschädigung zahlen.

Ginge es nach Peking, dann wird die derzeitige Krise zwischen der Volksrepublik und der Supermacht ähnlich verlaufen. Nach dem Zusammenstoß des US-Spionageflugzeugs mit einem chinesischen Kampfjet verlangt Peking von Washington wieder eine formale Entschuldigung, finanzielle Forderungen hält man sich offen. Außerdem sollen die USA ihre Spionageflüge in der Nähe der Grenzen einstellen.

Der chinesische Pilot Wang Wei, der bei dem Zusammenstoß vermutlich ums Leben kam, wird von den Staatsmedien wie die Opfer von Belgrad als ein nationaler Held porträtiert. "Wang Wei, das Volk des Mutterlandes sorgt sich um dich", titelte die Shanghaier Wenhui-Zeitung. Die Pekinger Jugendzeitung druckte Fotos von dem notgelandeten US-Flugzeug und darüber in dicken Schriftzeichen: "Beweise der Tyrannei".

Pekings KP-Führer bedienen in der Krise den Nationalismus im Volk, den sie seit Jahren schüren. Mit ihrer harten Linie gegenüber Washington wollen sie ihren Status als gleichberechtigte Großmacht unterstreichen. Geschickt steuern Pekings Propagandisten dabei die Stimmung im Volk. Dass die beiden Flugzeuge außerhalb des chinesischen Luftraums zusammenprallten und der Unfall vermutlich von dem chinesischen Piloten provoziert wurde, wird von den Staatsmedien kaum erwähnt. Allerdings scheint sich Pekings Führung noch nicht klar zu sein, wie weit sie das Spiel mit Volkes Stimmung treiben soll. Im Gegensatz zur Botschafts-Krise wurden bisher keine öffentlichen Proteste erlaubt. Ein zu starker nationalistischer Protest in der Bevölkerung, kalkuliert Peking, würde den Spielraum bei einem möglichen Kompromiss mit Washington einengen.

Pekings Führung geht einen schmalen Weg. Dem Volk und dem Militär muss sie sich - genau wie US-Präsident Bush - als souveräne Großmacht präsentieren, die sich von einem anderen Staat keine Vorschriften machen lässt. Auf der anderen Seite hat China in der Auseinandersetzung mit den USA eine Menge zu verlieren. US-Firmen tragen maßgeblich zu dem Wirtschaftsaufschwung bei, mit dem die KP ihre Herrschaft legitimiert. In den nächsten zwei Wochen will die US-Regierung außerdem entscheiden, welche neuen Waffensysteme sie an Pekings Erzfeind Taiwan schicken wird.

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