Uschi Obermaier : "Mein wildes Leben"

Für die bürgerliche Welt der 60er Jahre war ihr Leben ein einziger Skandal: freie Liebe, das unkonventionelle Leben in der Kommune I, Drogen und wilde Parties mit Rockstars. Für Uschi Obermaier war jedoch genau das erstrebenswert.

München - Wie kaum eine andere junge Frau vor ihr erfüllte sie sich ihre Jungmädchenträume, wurde Top-Model, Geliebte von Mick Jagger, Keith Richards und Jimi Hendrix und zur Stilikone ihrer Zeit. Mit dem Autor Olaf Kraemer hat sie nun die Autobiographie "High Times - Mein wildes Leben" verfasst, die am 1. Februar auch als Film in die Kinos kommt.

"Ich sehe sie so ein bisschen, wie eine Vorläuferin von Kate Moss, weil die sich auch nicht kaufen lässt und millionenschwere Werbeverträge aufs Spiel setzt, um ihren Rock'n-Roll-Lifestyle zu leben", sagt Kraemer, dem Obermaier in seinem damaligen Wohnort in Hollywood monatelang ihre Erlebnisse erzählt hatte. So wie die heutige Stilikone war auch Obermaier heroinsüchtig. "Nur wenn ich einen Job hatte, nahm ich ein paar Tage vorher nichts", schildert sie die Zeit, als sie im Hamburger Kiez mit Dieter Bockhorn, dem selbsternannten Prinz von St. Pauli, immer tiefer in ein Milieu aus Drogen, Sex und Gewalt abrutschte.

Erschreckend viele Banalitäten

Doch wer sich schillernde Erlebnisse erhofft, wird enttäuscht. Statt Glamour und Zeitgeschichte bietet das Buch vor allem erschreckend viele Banalitäten, die man lieber nicht lesen will. Sätze wie "Sollte der sich da ausficken. Ich wusste ja, lange konnte das nicht dauern", werden auch nicht dadurch interessanter, dass sie aus dem hübschen Mund einer ehemaligen Stilikone kommen.

Selbst Obermaier, die inzwischen nahe Los Angeles als Schmuckdesignerin lebt, war geschockt, als Kraemer ihr 1992 die monatelangen Interviews als Manuskript präsentierte. "Uschi hat von sich aus gesagt, dass ist mir viel zu hart", erzählt Kraemer. Auch viele Verlage lehnten das Buchprojekt ab. Erst als der Heyne Verlag Interesse signalisierte, lenkte Obermaier ein. Dass das Buch gerade jetzt erscheint, hält Kraemer nicht für Zufall. "Die Leute sind spießiger geworden", glaubt er, und sehnten sich deshalb nach den aufregenden 1960er Jahren.

Zum Frühstück eine Line Heroin

Zu den interessanteren Passagen in "High Times" zählen Obermaiers Erlebnisse mit Rainer Langhans in der legendären Kommune I in Berlin, in die sie 1968 gezogen war. Im Buch entzaubert sie den Mythos der Studentenwohngemeinschaft, die mit freier Liebe und Nacktfotos für Furore gesorgt hatte: "Kunzelmann und seine Leute wurden vor unseren Augen zu Junkies und zur selben Zeit immer unnachsichtiger und militanter", notierte sie, bevor sie mit Langhans in München die Highfish-Kommune gründete mit durchgestylten Zimmern, LSD, Happenings und Pornodrehs.

Am exzessivsten lebte sie mit den Rolling Stones. "Frühstück bestand immer aus Kaviar und Champagner - in meinem Fall Apfelsaft, einer Line Heroin und einem Joint", erinnert sie sich. Einen besonderen Kick verspürte sie, wenn sie nach einem Konzert alle in Limousinen durch die Stadt zur nächsten Party brausten. "Ich war die Rock'n'Roll-Präsidentenfrau und fühlte mich total 'on top of the world'." Und doch wollte sie nicht als lebenslanger Groupie enden und erteilte dem verliebten Keith eine Absage. Sie wolle das Leben "direkt am eigenen Leib" erfahren "und nicht durch die Stones, zu deren Existenz ich nichts beitragen konnte, außer Joints zu rollen". (tso/dpa)

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