Ute Eskildsen zum 70. : Foto und Form

33 Jahre lang war sie für die Fotografieabteilung des Essener Museums Folkwang verantwortlich. Der großen Kuratorin Ute Eskildsen zum 70. Geburtstag.

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Die Sammlerin. Ute Eskildsen, 1980.
Die Sammlerin. Ute Eskildsen, 1980.Foto: Fritz Kempe/Museum Folkwang

Wenn die Fotografie heutzutage ein selbstverständliches Sammelgebiet aller größeren deutschen Kunstmuseen darstellt, so ist dies auch ihr Verdienst: Ute Eskildsen. Sie hatte das Glück, bereits im Alter von 32 Jahren mit der anspruchsvollen Aufgabe betraut zu werden, am Essener Museum Folkwang die Fotografieabteilung auf Grundlage der „Fotografischen Sammlung der Stadt Essen“ weiterzuführen und auszubauen, und das Museum erfuhr das Glück, dass die Kuratorin 33 Jahre lang bis zur Pensionsgrenze ihrer Arbeitsstelle treu blieb. Eine solche Kontinuität ist wahrlich selten, und gerade Ute Eskildsen dürfte mehrfach von anderen Häusern umworben gewesen sein, so unbeirrt und erfolgreich, wie sie ihren Auftrag erfüllte.

1947 im norddeutschen Itzehoe geboren, hat sie dennoch ihr ganzes Berufsleben in Essen verbracht. Sie studierte an der Folkwang-Schule Fotografie, und ihr Lehrer Otto Steinert vermittelte ihr seinen wahrlich absoluten Qualitätsanspruch. Sie wurde 1972 seine Assistentin an der (Hoch-)Schule. Steinert starb 1978 noch im Amt, und noch am Ende desselben Jahres wurde Eskildsen vom Museum Folkwang engagiert, zuvörderst, um Steinerts Nachlass aufzuarbeiten. Nun hatte Steinert einerseits selbst eine Gruppe von Fotografen um sich geschart, die er „fotoform“ nannte und die besten Lichtbildner der Nachkriegszeit vereinte, andererseits zählen zu den von ihm ausgebildeten Newcomern Fotografen wie André Gelpke, Timm Rautert oder Dirk Reinartz, die für die späte Blüte des Fotojournalismus stehen. Eskildsen am Museum war die perfekte Schaltstelle, vieles konnte sie in die Sammlung holen, vieles durch Ausstellungen bekannt machen. Unvergessen ist die Wanderausstellung „Subjektive Fotografie“ von 1984/85, mit der sie dieser Richtung einer „zweckfreien Fotografie“ und ihren Protagonisten den angemessenen Platz in der Geschichte des Mediums sicherte.

Sie machte auf die Fotografinnen der Weimarer Zeit aufmerksam

Ihr Forschungsschwerpunkt indessen lag in der Zwischenkriegszeit. Bereits 1979 erarbeitet sie gemeinsam mit Jan-Christopher Horak die Rekonstruktion der legendären Film-und-Foto-Ausstellung des Deutschen Werkbundes von 1929, und Jahre später – die Weimarer Zeit war mittlerweile Gemeingut aller Museen geworden – machte sie mit der Ausstellung „Fotografieren heißt teilnehmen“ auf den bemerkenswerten Anteil weiblicher Fotografen in jener Zeit aufmerksam.

Die derzeit in Essen zu sehende Übersicht ist auch eine Hommage an Eskildsens eigene Tätigkeit, die dem einstigen Leiter der Kreuzberger Fotowerkstatt, Michael Schmidt, im Laufe der Zeit nicht weniger als drei Einzelpräsentationen gewidmet hat. An diesem Donnerstag wird Ute Eskildsen, für die die Pensionierung 2012 alles andere als einen Ruhestand bedeutete, 70 Jahre alt.

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