Kultur : Väter und Töchter

THEATER

Günther Grack

„Ich bin Ihre Tochter“: Das junge Mädchen hat den flotten Fünfziger gewarnt, er werde einen Schock kriegen – prompt fällt dem Herrn Doktor die Kinnlade runter. Monsieur Bertholin scheut jegliche Bindung; tagsüber Klinikchef, liebt er seine abendliche Freizeit als Freiheit, Mozart zu hören oder Schach gegen sich selbst zu spielen. Ein Leben, das er neuerdings, nolens volens, mit dieser Josiane teilt. Als angebliche Patientin, die er mit einer falschen Diagnose aus der Bahn geworfen habe, hat sie sich bei ihm eingenistet und gelegentlich auch gute Dienste geleistet – etwa am Telefon beim Abschmettern unliebsamer Amouren. Ihr Hintergedanke in den drei Wochen, in denen sie den Vater prüft: „Falls er mir gefällt, sage ich ihm, wer ich bin.“ Nun also ist es so weit, und wie reagiert der Herr? Empört! Tochter oder nicht: „Gefühle erpressen“, wolle sie. Türenschlagen und Pausenvorhang.

„Sonne für zwei“ , so der freundliche Titel von Pierre Sauvils Komödie, verheißt dem Publikum, dass es nicht weinenden Auges nach Hause gehen muss. Die Münchner Inszenierung von Wolf-Dietrich Sprenger, derzeit im Berliner Renaissance-Theater zu sehen (bis zum 26. Oktober), bietet ein im Wechsel von Heiterkeit und Ernst trainiertes Schauspielerpaar auf. Volker Lechtenbrink zeigt verdatterten Gesichts, dass Vaterwerden sehr wohl schwer sein kann. Jeannette Arndt, gertenschlank, mit heller Stimme bemüht, sich gegen das sonore Organ des Partners zu behaupten, teilt munter aus, er sei „wirklich ein Arsch“; sie kann aber auch fein leise werden, wenn die eine oder andere Wahrheit zu sagen ist. Denn auch dieser Vater muss erfahren, was Töchter Vätern irgendwann gestehen: „Ich habe jemanden kennengelernt . . .“

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