Kultur : Vätertausch für Liebesglück

CHRISTOPH FUNKE

Verwickelte verwandtschaftliche Beziehungen haben schon manche Komödie trefflich genährt.So auch das kleine theatralische Kunststück "Sein bester Freund" von William Douglas Home.Da gibt es ein abgrundtiefes Problem zwischen zwei Vätern, einem Sohn und einer Tochter.Die Kinder, wieder einmal bestätigt sich bange Vorahnung, entbrennen in Liebe zueinander - und würden damit als vermeintliche Geschwister auf eine Wälsungen-Tragödie zusteuern, wenn sie nicht ihre Väter flugs tauschen könnten.Denn Knabe und Mägdlein sind höchst appetitliche Früchte außer- und vorehelicher Beziehungen zweier Schwerenöter.Praktischerweise verbindet diese selbstverständlich hochanständigen Erzeuger eine jahrzehntelange Freundschaft.Und wenn der beste Freund mit der eigenen Frau ...

Die dramatisch wohltemperierte Geschichte windet sich aus der Banalität, indem sie beide Väter mit diplomatischen Aufgaben betraut und als kernechte Engländer nach Rom entsendet, gar in die unmittelbare Nähe des Vatikans.Da dürfen denn Späße aufgerufen werden, die nicht nur mit längst verblaßten erotischen Verwicklungen, sondern mit Politik und Außenpolitik zu tun haben, in komödisch verträglicher Weise und homöopathischer Dosierung allerdings.Und doch, wie zwei Diplomaten den kurvenreichen, anstrengenden Weg zur Wahrheit gehen, durch kunstvoll angelegte Verstecke hindurch, hat einen bemerkenswerten Witz.Auf den kam es Gunther Philipp an, der das Stück in der Komödie am Kurfürstendamm inszenierte und zugleich die männliche Hauptrolle übernahm.Als Regisseur spürt er gemächlich den immer neuen Hindernissen nach, an denen die schnell einsehbare Geschichte immer wieder und ein paarmal zu oft aufgehalten wird.Als Schauspieler setzt er, immerhin schon 80 Jahre alt, auf geistige Beweglichkeit.Man sieht, wie sein Diplomat aus unnachsichtiger Beobachtung aller anderen heraus gleichsam Schicksal arrangiert.Philipp arbeitet mit Sprache, läßt teilnehmen am Entstehen von Argumenten und Gegenargumenten, genießt Witz, bevor er noch ausgesprochen ist.Nur manchmal, in Momenten höchster Anspannung, verrutscht der Körper, knautscht sich das Gesicht wie bei einem Blitzschlag, flackern die Augen, werden die Arme unruhig - wie etwa beim vorgetäuschten Telefon-Gespräch mit Moskau.Philipp feiert bei seinem ersten Berliner Bühnenauftritt zu Recht einen großen Erfolg.An seiner Seite der in allen Sätteln gerechte Peter Schiff und die Damen Karyn von Ostholt und Katinka Hoffmann, die in einer artistisch brillanten Szene zeigen, wie durch wachsende Trunkenheit die Beherrschung über Körper und Sprache stufenweise verlorengeht.In kleinen Rollen füllen Nina Kapust, Magnus Heithoff und Marina Kalmykowa das Ensemble um die alten Herren angenehm auf.

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