Kultur : Vagabundierend

SANDRA LUZINA

Körper unter Einfluß: Nachwuchs in der Berliner TanzfabrikVON SANDRA LUZINAJugend ist gefragt wie nie zuvor.Neue Kräfte werden auch im Tanz herbeigesehnt, doch die Nachwuchsförderung liegt derzeit im Argen.Wo die Projektgelder nur noch spärlich fließen, kommt der Spielstättenförderung eine immer größere Bedeutung zu.In Berlin ist die Situation derzeit verwirrend.Das Programm der kleinen Aufführungsorte ist oft nicht abgestimmt, das Profil undeutlich.Man balgt sich um einige wenige gefragte Künstler, Auftrittsmöglichkeiten für Jungchoreographen fehlen.Ein Künstler wie Jo Fabian vagabundiert über die Bühnen, eine Choreographin im Glück wie Sasha Waltz hat gleich ihre eigene Spielstätte gegründet.Das Theater am Halleschen Ufer steht als zentrale Spielstätte für die Off-Szene vor einem Dilemma.Natürlich möchte man interessante Newcomer zeigen - doch von der Bühnendimension und Sitzplatzkapazität ist sie zu groß für Stücke, die oft eher Werkstattcharakter haben.Für eine neue Auflage der "Tanztage im Pfefferberg" findet sich derzeit keine Finanzierung - dabei haben die engagierten Veranstalter bereits mehrmals ein Programm auf die Beine gestellt, das nicht nur die Tanzszene anlockte, sondern vom Publikum auch angenommen wurde.In der Tanzfabrik findet seit Jahren die Reihe "Tanz im Studio 1", in der experimentelle Arbeiten junger Choreographen vorgestellt werden.Finanziert wird die Reihe mit einer bescheidenen Summe aus der Spielstättenförderung.In diesem Jahr werden die Aktivitäten ausgeweitet.Derzeit sind Choreographen aus Österreich und den USA zu Gast.Als erstes waren die Resultate eines Performance-Projektes zu sehen, das im Rahmen eines europäischen Austauschs von Fortbildungseinrichtungen für zeitgenössischen Tanz abgehalten wurde.In "Friction" bewegen sich die Duette zwischen Stützen und Stürzen.Der Körper des anderen wird bewegt, modelliert und immer heftiger auch manipuliert.Körper unter Einfluß zeigt auch Chris Haring in seinen Choreographien.In "Dave" erzeugt der Musiker Klaus Obermaier mit seiner "digital.amplified.video.engine" eine massive Klangwand, der Tänzer reagiert auf den akustischen Streß mit zunehmend heftigeren Bewegungen, bis er schließlich kollabiert."Intertwining" ist ein rabiates Duett mit Willi Dorner.Der Andere als Spiegel des Selbst - das geht nicht ohne Gewalt ab - die beiden Perfomer zeigten ein rasantes Powerplay.Eine andere Farbe brachte Stephanie Maher in den Abend.Mit ihrem leuchtendroten Haarschopf wirbelt sie in "Angel Ten 20" über die Bühne, spielerisch, witzig und energiegeladen.Das Multi-Talent tanzt, singt und erzählt kuriose Geschichten vom Unterwegssein.Aber die Bühnenexzentrikerin ist auch eine Frau mit Herz.Wenn sie den vagabundierenden Sehnsüchten mit einem gesungenen "Home is were my heart is" Ausdruck verleiht, dann ist das freilich zum Kichern. Weitere Vorstellungen 8.-10.5.98, 20.30 Uhr in der Tanzfabrik

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