Van Morrison live in Berlin : Lass uns noch mal im Mondlicht tanzen

Goldenes Mikrofon, glänzende Songs: Van Morrison gab in der Zitadelle Spandau ein routiniertes Konzert zwischen Blues, Soul und Jazz.

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Van Morrison bei seinem Berliner Auftritt.
Van Morrison bei seinem Berliner Auftritt.Foto: DAVIDS/Dominique Ecken

Die Queen hat den alten Muffelkopf mal kurz weich werden lassen. Als sie den 1945 in Belfast geborenen George Ivan Morrison vor einigen Wochen in den Adelsstand erhob, sprach er von einer großen Ehre und richtete sogar einige Worte des Dankes an seine Fans. Für jemand, der nicht mal an der eigenen Einführung in die Rock’n’Roll Hall of Fame teilgenommen hat, kann das schon als Gefühlsausbruch durchgehen.
Bei seinem Konzert in der gut gefüllten Zitadelle Spandau ist Sir George dann wieder zurück im üblichen Miesepeter-Modus: Wie es die Fans von ihm gewohnt sind, spielt er sich grußlos und ohne Ansagen durch ein anderthalbstündiges Set, das einen weiten Bogen durch sein über 50-jähriges musikalisches Schaffen spannt.

Begleitet von seiner vierköpfigen Band startet Van Morrison schon um viertel vor acht mit einem swingenden Instrumental, bei dem er Saxofon spielt. Es geht sofort weiter mit „Close Enough For Jazz“, das wie der gesamte erste Konzertteil leider viel zu leise abgemischt ist. Selbst bei „Baby, Please Don’t Go“ kann man die am Himmel vorüberziehenden Flugzeuge hören. Der Drummer tackert den Rhythmus auf den Rand der Snaredrum, Van Morrison bläst in die Mundharmonika, und los geht die elektrifizierte Delta-Blues-Fahrt, die er mit seiner Band Them in den Sechzigern so mitreißend und kraftvoll nach Europa fortgeführt hat. Eine Ahnung davon kommt auch in Berlin auf.

Van Morrison ist gut bei Stimme

Danach wird es gleich wieder ruhiger. Der Bassist Paul Moore wechselt zum Kontrabass, und Van Morrison, der den ganzen Abend seinen Blues-Brothers-Look mit Hütchen und Sonnenbrille beibehält, ans Altsaxofon. Die bedauerlicherweise weit in den Bühnenhintergrund verbannte Backgroundsängerin Dana Masters darf bei dem schönen „Days Like This“ erstmals zeigen, was sie kann. Van Morrison selbst – er wird Ende August 70 Jahre alt – ist noch immer gut bei Stimme.
Das hat er auch auf seinem aktuellen Album „Duets: Re-working the Catalogue“ bewiesen, auf dem er einige seiner Songs mit Kollegen wie Gregory Porter, Mavis Staples und Michael Bublé neu einspielte. Es handelt sich um eher unbekannte Stücke, Songs von seinen beiden Meisterwerken „Astral Weeks“ und „Moondance“ finden sich nicht darauf.

"Moondance" bildet einen Höhepunkt des Konzertes

Immerhin spielt Van Morrison das grandiose, zwischen Jazz und Folk herumtänzelnde „Moondance“ in Berlin. Schon seine Saxofoneinleitung wird jubelnd begrüßt. Dann singt er absolut lässig seine Aufforderung zum Tanz im Mondlicht. Pianist Paul Moran bekommt ein Solo, wechselt zum Schluss zur gestopften Trompete und fliegt unisono mit Van Morrisons Saxofon durch die Nacht. Die Flöte aus dem Originalarrangement vermisst man dadurch gar nicht.
Weniger gelungen ist die Adaption eines weiteren Hits: „Real Real Gone“ muss ohne den Ohrwurm-Bläsersatz auskommen, den Part übernimmt die Hammond- Orgel. Was etwas lieblos wirkt und nicht recht zünden will, trotz der jede Schlagzeit durchprügelnden Snare. Der Abend hängt ohnehin immer mal wieder etwas durch, vor allem wenn es sich die Herren in den Bluesnummern shuffelnderweise etwas zu gemütlich machen.

Richtig klasse wird es dann nochmal am Ende mit „Brown Eyed Girl“, das frisch wie eh und je klingt. Die Fans hätte gern den „Schalalala“-Part übernommen, aber „Van The Man“ lässt sich natürlich nicht auf Spielchen ein. Dafür dürfen alle Bandmitglieder Kurz-Soli spielen, bevor Van Morrison am Saxofon den Schlusspunkt setzt.
Anschließend hängt er sich für „And The Healing Has Begun“ das einzige Mal eine Gitarre um. Es wird eine intensive und intime Interpretation, die gegen Ende immer leiser und eindringlicher wird. Als der irische Meister danach sogar „Dankeschön“ sagt, sich verbeugt und um Applaus für seine Band bittet, ist der Abend eigentlich rund. Die extralange Version des Them-Hits „Gloria“ wäre nicht mehr nötig gewesen, zumal ihm Patti Smith den Song vor 40 Jahren entrissen hat – den Beweis gibt es in knapp drei Wochen, wenn sie im Tempodrom ihr komplettes „Horses“-Album spielen wird.

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