Kultur : Varianten der Inszenierung

KATJA REISSNER

Die Räume von Anselm Dreher sind in diesen Tagen der bunten und lauten Kunst-Ereignisse eine Enklave, die auf Übersichtlichkeit und spröder, sparsamer Klarheit der Form beharrt.Zu sehen ist eine Ausstellung des 1961 geborenen Gerold Miller.

Im leeren Raum an den Wänden befinden sich zwei Rahmenobjekte aus Aluminium mit abgerundeten Ecken, einmal glatt poliert, einmal matt, eine minimale Differenz, einmal das Umfeld spiegelnd, einmal es abweisend.Miller agiert zwischen Bild, Objekt und Raum-Ambiente, streng konkret einerseits, im Übergang zum Design andererseits.Er hat ein Repertoire geschaffen, das er als "Anlagen" bezeichnet, rechtwinklige Rahmenobjekte aus Stahl, bemalt und unbemalt, immer streng und reduziert, aber durch etliche Abweichungen facettenreich.

Die Objekte sind keine in sich geschlossene konkrete Kunst, sondern Orientierungsrahmen für Raumsituationen.Ihr formaler Bürokratismus wird unterwandert durch Licht und Schatten, aber auch durch Zutaten, die der Künstler ihnen beigibt.Bei Dreher ist es im zweiten Raum eine Situation mit zwei anscheinend gleichen Objekten, die erst auf den zweiten Blick ihre minimale Verschiebung offenbaren.Sie sind mit einer kleinen Hifi-Anlage kombiniert, die wie zufällig auf dem Boden steht; ein Stapel Discs liegt bereit, zuoberst die der australischen Kultband Portishead.Die Leere des Raums, zwei strenge, dunkelblaue Rahmen, die sich im Design angleichenden Lautsprecher und der Kontrast einer schwerblütigen Rockmusik: so projiziert der Betrachter sich selber in die leeren Rahmen und konstituiert sein psychisches Moment-Porträt.Hier weist Miller über die konkrete Kunst als ein klassisch neutrales Geschmacksstatement hinaus.

Bei Dreher bietet es sich meist an, nach einem Gedankenkonstrukt zu suchen, das sich in einer Dreiheit aufbaut, entsprechend seiner drei Räume.Manchmal geht es um drei Varianten der künstlerischen Inszenierung, manchmal um die These im Entrée und die Antithese im Hinterzimmer, welche im dritten Raum in eine Synthese einmünden.So wäre hier die These, daß die Form des Objektes die Bedeutung konstituiert und die Ästhetik des Raumes festlegt, die Antithese, daß dies gar nicht gilt, weil andere Inhalte intervenieren und das Objekt zum beliebigen Projektionsrahmen machen.

Die vermeintliche Synthese inszeniert Miller mit einer magentafarbenen Tapezierung, die durch ihren stufigen Druck bis ins Weiß Prismen schafft, die an die Op-Art erinnern.Gegenüber befindet sich eine Anlage mit mehreren rechtwinkligen Unterteilungen in schlichtem Weiß.Vielleicht versetzt dieser Raum den Rezipienten nur in ein Patt zwischen beiden Installationen; die eine, die den ganzen Raum überzieht, Farbenergie ausstrahlt und so auch ein psychisches Ambiente herstellt, die andere, die zurückhaltend in Licht und Schatten changiert und so ein Eigenleben behauptet.Der Besucher darf die Frage lösen, was mehr Kunstpotential enthält

Galerie Anselm Dreher, Pfalzburger Straße 80, bis 31.Oktober; Dienstag bis Freitag 14-18 Uhr, Sonnabend 11 - 14 Uhr.

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