Kultur : Vase von Warka

Gerangel um Kunstdelegationen im Irak: Wer darf mit?

Christine-Felice Röhrs

Welcher deutsche Experte darf Ende der Woche mit der Unesco-Delegation in den Irak reisen? Diese Frage ist offenbar zum Politikum geworden. Erst am Montag war bekannt geworden, dass die Unesco Claus-Peter Haase eingeladen hatte, den Direktor des Islamischen Museums in Berlin. Doch schon am Dienstag erhielt Haase vom Auswärtigen Amt den Bescheid, dass statt seiner Margarete van Ess, Irak-Expertin des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI), reisen werde.

Haase sagte dem Tagesspiegel, er sei „nicht ganz glücklich“ über die Entscheidung. „Zum einen sind die Staatlichen Museen in dieser wichtigen Delegation nun gar nicht berücksichtigt“, sagte er. Zum anderen hätte Deutschland die Chance gehabt, mit ihm als Experten für die islamische Periode ein Zeichen zu setzen für ein neues Interesse an der aktuellen Kultur. „Aber da fehlt dem Amt wohl noch der Riecher“, sagte Haase.

Aus dem Auswärtigen Amt hieß es, dass für eine solche Mission Frau van Ess als Archäologin besser geeignet sei. Zudem habe sie als Leiterin des – geschlossenen – DAI-Büros in Bagdad die größere Irak-Erfahrung. Dass das Amt überhaupt bei der Besetzung der Delegation interveniert hat, erklären Kenner der Interna so: Es gehe jetzt darum, den künftigen Einfluss Deutschlands im Irak abzustecken. Beim wirtschaftlichen Wiederaufbau werde man kaum beteiligt werden. Bei der Kultur hingegen gäbe es eine Chance.

Margarete van Ess wusste bis Dienstagmittag noch nichts von ihrer neuen Aufgabe. Sie besuchte die Interpol-Konferenz in Lyon – und hatte gute Neuigkeiten zu berichten: Die berühmte Vase aus Warka, die aus dem Irak-Museum verschwunden war, soll nach Informationen der Amerikaner in Bagdad wieder aufgetaucht sein. An der Konferenz hatten am Montag und Dienstag Interpol-Beamte, Mitglieder von Unesco, FBI und State Department sowie Experten aus Frankreich, Italien und Deutschland teilgenommen. Margarete van Ess sagte: „Es wurden vor allem Informationen zum Stand der Plünderungen ausgetauscht und versucht abzuschätzen, was noch passieren wird.“ Außerdem – das sagte US-Justizminister John Ashcroft– gebe es nun „deutliche Hinweise, dass die Plünderungen von kriminellen Banden organisiert wurden.“ Man arbeite allerdings immer noch „auf der Grundlage von Gerüchten und Einzelberichten“.

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