Kultur : Vatergeräusch

Die Freunde Guter Musik feiern ihre ersten 25 Jahre

Volker Lüke

„Frauen an den Laptop!“ heißt es bei The Lappetites, einer durchweg weiblichen Band, die zum 25-jährigen Jubiläum der „Freunde Guter Musik“ im Maria am Ostbahnhof auftritt. Eigentlich hätte die 75-jährige Eliane Radigue aus Paris mit auf der Bühne stehen sollen, aber die Grande Dame der elektroakustischen Musik, die schon an der Seite von Pierre Schaeffer und Pierre Henry die Musique Concrète studierte, ehe sie den Minimalismus entdeckte, sitzt aus gesundheitlichen Gründen nur im Publikum. Übrig geblieben sind Kaffe Matthews aus London, AGF alias Antye Greie-Fuchs aus Berlin, die Japanerin Ryoko Kuwajima sowie eine ganze Reihe von Computern.

Im Mittelpunkt stehen Auszüge der geplanten Oper „Fathers“, in denen die Musikerinnen eindringliche Porträts ihrer Väter zeichnen und dazu eigenwillige Bewegungen in Klangräumen modulieren: Stimmfetzen, Cut-Up-Störgeräusche und Kinderlieder werden klangmalerisch zu einem imaginären Filmsound collagiert. Diese Formatlosigkeit hat Reiz – Industrial für die Tupperware-Party, inszeniert als innig-romantische Liebe zum Vater und dem Geräusch. Zum Schluss spielen sie mit „Elemental II“ ein neues Stück von Eliane Radigue, das sich so langsam entfaltet wie eine Blüte in Zeitraffer. Eine meditative Musik, die auf nichts mehr hinauswill, nur tiefer hinein in das Knistern und Rauschen. Bis das Bild einer Zwischenwelt voller Zwielicht und Nebel entsteht, in dem sich feste Konturen nur erahnen lassen und sich die Unschärfe immer wieder in magischen Momenten reiner Stimmung verdichtet. Ein kluges Bekenntnis zum immateriellen Klang der Materie. Heute sind dann wieder die Männer dran: die Monster-Jazzrockband Heaven And und David Cunningham, legendärer Kopf der Flying Lizards. Volker Lüke

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