Kultur : Venero Armannos "Feuerkopf"

Thomas Askan Vierich

Gewalt, Horror und Rockmusik im Outback: So debütierte der junge Australier Venero Armanno letzten Herbst im deutschen Sprachraum. Mit "Am anderen Ende der Welt" transponierte er atemberaubend das Horrorgenre ins Literarische. Sein zweiter ins Deutsche übersetzter Roman fällt völlig anders aus. Keine Spur von Horror, keine fiesen Sheriffs in der Provinz, keine seitenlangen Gewaltszenen, die in ihrer psycholgisch genauen Darstellung wirklich weh tun.

"Feuerkopf" ist eine Liebesgeschichte, die sprachlich aufgeheizte Apotheose einer Jugendliebe unter sizilianischen Einwanderern am Stadtrand von Brisbane. Die Gefühle und die Erzählfreude quellen über und drohen den Leser bereits nach wenigen Seiten zu ertränken. Armanno preist die Lebensfreude, beschwört die Dickköpfigkeit der Sizilianer, besonders der Frauen, einer Frau: Gabriella mit dem feuerroten Haar und den Sommersprossen. Der Erzähler springt von den 70er Jahren in die 80er und landet in den 90ern. Und der Leser japst hinterher, nach Luft ringend, und sehnt sich nach der Weite und Leere der australischen Wüste, nach einer einzigen spannenden Geschichte statt hunderter, die nirgendwohin führen.Venero Armanno: Feuerkopf. Roman. Aus dem Englischen von Ulrich Hoffmann. List Taschenbuch Verlag, München 2000. 384 S., 28 DM.

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