Kultur : "Vengo": Tanz oder gar nicht

Daniela Sannwald

Der Flamenco ist allgegenwärtig in Andalusien - und musikalisch Arabien ganz nah: Er kann nahtlos in ägyptischen Sufi-Gesang übergehen, und zu beidem wird ekstatisch und ausdauernd getanzt. Im Kern nur darum geht es in Vengo: Tony Gatlifs Film, eigentlich eine Nummernrevue, präsentiert Stars aus beiden Musikrichtungen und verbindet ihre - eher notdürftig motivierten - Auftritte durch eine Geschichte von Leidenschaft und Blutrache. Weinend und trinkend versucht der Nachtclubbesitzer Caco, über den Tod seiner Tochter hinwegzukommen; rührend nimmt er sich seines behinderten Neffen Diego an, für den er die besten Sängerinnen, Musikanten und Tänzerinnen engagiert. Einer Fiesta folgt die nächste, und alte Frauen schleppen Teppiche und Getränke herbei, damit die Männer es bequem haben. Selbst noch die Bodyguards tanzen, zum Klatschen und Fingerschnipsen, aus dem Stand virtuose Figuren; und Cacos im fernen Deutschland weilenden Bruder wird dieser Heimatrhythmus per Handy übermittelt. "Vengo" erzählt in abrupt montierten Bildern und Tönen von kochendem Blut unter glühender Sonne, von kalten und heißen Herzen, von musikalischen Opfern und der Dramatik des Flamenco. Und widerlegt überzeugend die These, dass böse Menschen keine Lieder haben.

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