Kultur : Venus 2000

SANDRA LUZINA

Die Text-Tanz-Collage "Styx II" im Theater am Halleschen UferVON SANDRA LUZINA"I love you." Die Blondine sagt diesen Satz nicht einmal, sondern an die fünfzig Mal.Was zunächst leicht dahin gesagt wird, macht Mühe, bereitet Qual.Hier wird demonstriert, wie aus Liebe Haß wird.In der Produktion "Styx II", die im Theater am Halleschen Ufer zu sehen ist, dient sich Ursula Mawson-Raffalt als Führerin in die Unterwelt an, der Mythos von Orpheus und Eurydice dient dabei als Folie.Wenn die Amerikanerin zum Mikro greift, dann mit der bedeutungsvollen Mine einer Eingeweihten, die uns nun ein Mysterium enthüllen wird.Das assoziative Gestammel gibt allerdings wenig preis von geheimen Regungen oder außergewöhnlichen Vorfällen.Hier soll etwas enthüllt werden, wird aber zugleich in mystifizierendes Dunkel gehüllt.Später wird da eine Liebesgeschichte mit einem Mann namens Hans angedeutet, die sich als Neuversion des Orpheus-Mythos ausgibt.Das verführt freilich nur zu verbalen Ergüssen, die das gewisse Salz-auf-unserer-Haut-Feeling hervorrufen sollen.Von dem Mann erfährt man wenig, die Selbststilisierung der Performerin steigert sich ins Unerträgliche. Frau bedeutet hier Sinnlichkeit pur.Nur mit Hans klappt es nicht - da wird dann halt der Mythos strapaziert.Verbale Beschwörungen wechseln mit Tanzeinlagen: auf quadratischem Grund sind da pseudo-expressive Verbiegungen und Verrenkungen zu besichtigen.Die Aufführung kämpft an gegen die Verkümmerung und Trivialisierung der Gefühle.Die finale Dia-Show von Anthony Faulder-Mawson zeigt neben einer Velazquez-Venus eigene Bildnisse, die von Farbschlieren überwucherten weiblichen Torsi sollen womöglich eine Vision der "Venus 2000" darstellen."Styx II" gleitet vom Weihevoll-Prätentiösen ins Kunstgewerblich-Kitschige, die Aufführung mutet obendrein noch allzu privat an - da helfen auch die Mythos-Verweise und kunsthistorischen Zitate nicht. Noch heute und morgen, jeweils 21 Uhr.

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