Kultur : Venus und Maria

Die Brafa in Brüssel empfiehlt sich als eine der besten europäischen Messen für Antikes.

Pure Schönheit. Die Galerie Phoenix Ancient Art hat eine „Baktrische Prinzessin“ aus dem zweiten Jahrtausend v. Chr. mitgebracht. Foto: Phoenix Ancinet Art
Pure Schönheit. Die Galerie Phoenix Ancient Art hat eine „Baktrische Prinzessin“ aus dem zweiten Jahrtausend v. Chr. mitgebracht....

Was soll denn dieser Teppich? Stilisierte Pinselepilepsien in allen Farben des Regenbogens bringen das Auge beim Blick auf den Hallenboden der Brussels Fine Art and Antiques Fair (Brafa) ins Schlingern. Zum zehnten Mal findet die Messe auf dem Brüsseler Tour-&-Taxis-Areal statt. Turnusgemäß hat der Brüsseler Gemäldehändler Harold t’Kint de Roodenbeke den Vorsitz der Verbandsmesse übernommen. Vielleicht wollte er mit der Wahl des Bodenbelags seine Handschrift zeigen. Wenn diese Farbaberration das Einzige ist, was in der Rückschau irritieren sollte, dann muss die 58. Brafa ansonsten ziemlich viel richtig gemacht haben. Hat sie auch. In den zehn Jahren, die sie jetzt in dem ehemaligen Postbahnhof residiert, wurde aus der verschnarchten Provinzveranstaltung eine Edelmesse, die sich nur mit der Tefaf in Maastricht und der Pariser Biennale des Antiquaires messen muss – allerdings ohne deren ehrfurchtgebietende, inszenierte Großartigkeit zu imitieren. In Deutschland jedenfalls gibt es keine Veranstaltung, die auch nur annähernd eine derartige Qualität in dieser Breite auffächert.

Allein das Angebot an Antiken lässt staunen. Dafür müssen es gar nicht die lebensgroßen römischen Skulpturen der Pariser Galerie Chenel sein. Auch die ägyptischen Kleinode bei Roswitha Eberwein (Göttingen/Paris) begeistern. Phoenix Ancient Art aus Genf und New York haben einige Kleinode aus einer Schweizer Sammlung dabei. Eine detailliert gearbeitete Statuette des ägyptischen Gottes Ptah trägt dabei noch auf der Unterseite ihres Holzsockels das Datum des Erwerbs im Jahr 1956.

Außereuropäische und asiatische Kunst aller Epochen ist ebenfalls breit gefächert und in hoher Qualität vertreten. Der hiesige Markt gibt es her – die meisten der 128 Händler stammen aus Belgien und Frankreich. Aus Deutschland sind lediglich sechs Aussteller angereist, unter ihnen Elmar Robert aus Köln, der hier ein sachkundiges Publikum für seine mittelalterliche Kunst findet. Da religiöse Kunst vergangener Zeiten im frankophonen Kulturraum immer noch zum Kanon gehört, findet sich auf der Brafa auch in diesem Bereich ein angemessenes Angebot. Und das ist verglichen mit zeitgenössischer Kunst nicht einmal teuer. De Backer aus Hoogstraten brilliert mit einer um 1050 geschnitzten maasländischen Maria mit Jesusknaben für 185 000 Euro. Ein deutscher Händler, der schon länger dabei ist, hat sich auf diese speziellen Vorlieben eingerichtet: „Ich hab’ mal was Profanes mitgebracht, eine Venus und einen Herkules. Und was habe ich verkauft? Eine Kreuzigung und einen Marientod. Seitdem nehme ich wieder Religiöses mit.“

Möbel, und was sonst unter Industrie de Luxe rangiert, machen einen weiteren Schwerpunkt der Offerte aus. Selten so höfisch und hochpreisig wie bei Steinitz, jedoch durchweg von hoher Qualität – und manchmal sogar aus Deutschland. Das Spektrum der Brafa hat jedoch den überkommenen Rahmen hinter sich gelassen. Damit liegt sie im Trend. Über die Klassische Moderne hinaus haben längst Design und Nachkriegskunst bis hin zu Zeitgenossen Einzug gehalten. Und da schwächelt die Brafa dann doch ein wenig, wie alle ähnlichen Veranstaltungen inklusive der Tefaf. Denn im Bereich der aktuellen Kunst fehlt ihnen schlicht die Expertise. Das ist schade. Eine verrätselte Nachtszene mit Frauenakten von Paul Delvaux, wie sie die eigentlich auf Design spezialisierte Brüsseler Galerie Mahaux mit der „Douce Nuit“ für 3,3 Millionen Euro zeigt, erfreut das Auge ja noch. Doch die Häufung der Farbspachtelungen des kürzlich verstorbenen Lokalmatadors Bram Bogart nervt dann doch ein wenig. Der Reiz des vermeintlich schnellen Geldes mit relativ einfach zu vermittelnder Handelsware ist offensichtlich zu groß, um dieses Segment völlig unreglementiert in den Messekojen zuzulassen.

Wo die Brafa durch kluge Auswahl der Händler ein breites, abwechslungsreiches und hochwertiges Angebot über alle Sparten und Epochen gewährleistet, ist sie allemal eine Reise wert. Bei der bildenden Kunst ab dem 20. Jahrhundert ist sie hingegen eher für Einheimische interessant, die auf der Art Brussels nicht mehr bedient werden. Stefan Kobel

Brussels Fine Art and Antiques Fair, 19.-27. Januar, www.brafa.de

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