Kultur : Verbeugung gen Westen

Knut Ebeling

Der Galeriekomplex, den die Akira Ikeda Gallery jüngst in Berlin auf dem Gelände des Pfefferbergs im südlichen Prenzlauer Berg eröffnet hat, erinnert an ein Raumschiff. Alles kommt einem zunächst unwahrscheinlich vor: das Format, das Programm, die Besatzung. Als wäre die glitzernde Dependance der japanischen Galerie just nach Berlin gebeamt worden - und das in einem Moment, wo es den ohnehin gebeutelten Galerien ökonomisch ebenso mittelprächtig geht wie ihren Sammlern und Käufern in Übersee.

Vermutlich liegt es am asiatischen Understatement, ein Unternehmen dieser Größenordnung derart still und leise mit dem unterkühlten Pathos einer japanisches Teezeremonie durchzuführen. Wer sonst würde einen Galeriekomplex von der doppelten Größe der Berliner Guggenheim Foundation eröffnen und nicht halb soviel Aufhebens davon machen? Wer sonst würde einen Teil des maroden Pfefferbergs auf eigene Kosten umbauen und nicht einmal die Presse darauf hinweisen? Fragen, auf die der Portier hinter der großen Stahltür, der weder deutsch noch englisch zu sprechen scheint, keine Antwort gibt.

Dabei muss man auf dem leicht verwilderten Gelände des Pfefferbergs zunächst ein wenig suchen; erst auf dem zweiten Hof öffnen die eleganten Portiers die Pforten. Drinnen reibt man sich zunächst die Augen, und wandelt dann von Raum zu Raum, von Gebäudekomplex zu Gebäudekomplex. Ein kleines Privatmuseum hat Akira Ikeda hier eingerichtet - womit ein weiterer Neuzugang in der Liga der privat finanzierten Kulturkonzerne, wie dem Guggenheim Museum oder dem Vitra Design Museum in Berlin zu verzeichnen ist. Aber Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft.

Doch genau über dieses ist den Verantwortlichen kaum eine Information zu entlocken. Nach zwei japanischen Galerien und einer Dependance in New York ist der pompöse Komplex die vierte Galerie des weltweit operierenden Kunstkonzerns. Das Berliner Projekt ist eine Zukunftsinvestition - offenbar hat man weder vor noch nötig, die astronomischen Renovierungskosten durch den Galeriebetrieb wieder einzuspielen. Nach den Kosten der Sanierung gefragt, winkt Kanae Ikeda, die Tochter von Akira Ikeda, die seine Berliner Geschäfte führt, ab. "Berlin is going to be an important city" sagt sie stattdessen. Berlin wird wichtig und da wolle man mitmischen, koste es, was es wolle. "It was quite a lot", sagt sie noch lächelnd und schließt das Thema damit ab.

Die Künstler der Galerie sind ebenso hochklassig wie die Räume: Es fallen Namen wie Günther Uecker und Imi Knoebel, Martin Kippenberger und Rosemarie Trockel. Neben diesen internationalen Stars des Kunstbetriebs ergänzen japanische Künstler das Programm. Eindrucksvoll demonstriert die erste Ausstellung dann auch, was es braucht, um diese Hallen zu füllen. Frank Stellas Heinrich-von-Kleist-Serie als Eröffnungsfanfare ist eine Verbeugung vor der Gastgeberstadt Berlin. Die imposante Werkgruppe, die bereits in Jena, Hildesheim und Stuttgart zu sehen war, fackelt zum Auftakt ein Feuerwerk ab, das in aller gebotenen Üppigkeit ebenso sich selbst wie die Räumlichkeiten feiert. Die Neon-Pop-Serie besteht aus über hundert einzelnen Arbeiten, die aus privaten Sammlungen und Museen rund um den Globus zusammengetragen wurden. Dabei beziehen sich die Titel der teils monumentalen, teils kleinformatigen eindrucksvollen Wandskulpturen auf die Berliner Werke Kleists, auf "Das Käthchen von Heilbronn", oder den "Zerbrochenen Krug" sowie auf die zahlreichen Briefe des Dichters, die einmal in diese Stadt gesendet wurden. Heute wird sein Schaffen in einer ganz neuen Dimension verbreitet: unter www.akiraikedagallery.com.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben