Kultur : Verbotene Soundtracks

Jenni Zylka

feiert in die Berlinale hinein Einmal im Jahr, wenn die Berlinale vor der Tür steht und sich Berlin wieder als Filmstadt geben wird, stellt sich auch das Nachtleben ganz auf Kino ein. Man denkt an die richtigen Filmstädte. An Cinecitta Rom, an Bollywood und natürlich an Hollywood. Hollywood, wo die Menschen sogar zum Laden gegenüber mit der Stretchlimo fahren. Hollywood, wo Filmstars in Lebensmitteln machen: Paul Newman kocht Nudelsaucen, Robert de Niro hat ein Restaurant, und Bruce Willis eine ekelige Massen-Hamburger-Abfertigungsklitsche. Hollywood, wo Regisseure Partys schmeißen, die dann in Star- und Modezeitungen mit vier von fünf Champagnerkelchen bewertet werden. Hollywood, wo „unser Mann in Hollywood“ Hans Zimmer, der spießige Filmmusiker aus Hessen, zur Oscarverleihung jedes Jahr alle Exildeutschen einlädt, damit sie „Nirgendwo in Afrika“ oder „Gegen die Wand“ schön patriotisch die Daumen drücken können. Ach ja, Hollywood.

Berlin ist dagegen nicht mal South Central. Dafür ist es zu ungefährlich. Auch der Glamour fehlt, dafür ist es zu sehr Rolf Eden und Martin Semmelrogge. Genau darum sollte man sich freuen, wenn einer der wenigen echten und dazu auch noch extrem sympathischen Berliner Eigenstars aus der Filmbranche mal zum Tanz bittet: Jörg Buttgereit , der ein paar blutrünstige, todkomische und hochoffiziell verbotene Trashfilme drehte, legt am 5.2. im Kreuzberger Privat Club (Pücklerstr. 34) auf. Dazu zeigt er alte, alberne Super-8-Science-Fiction. Die Musik wabert von 70er-Disco über 80er-Wave bis hin zu modischem Elektro. Sein kongenialer Auflegekumpel Mr. Target wacht über das Plattenumdrehen, wenn Jörg sich ein Bier holt. Scorsese hätte in Hollywood für so etwas bestimmt keine Zeit. Der würde seine Pressefrau schicken. Vergessen wir Hollywood! Die Berlinale beginnt auf einer Tanzfläche in Kreuzberg.

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