Verbrecher JAGD : Stets das Richtige tun

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Gerade habe ich ein neues Wort gelernt: „Blurbs“ nennen Verlagsleute die kurzen Zitate, mit denen Prominente auf Klappentexten Bücher bewerben. Richtig Glück hatte der afroamerikanische Schriftsteller Walter Mosley. Bill Clinton hatte sein Debüt „Teufel in Blau“ einst „allen Amerikanern“ wegen der „schwarzen Perspektive auf die Nachkriegszeit“ zur Lektüre empfohlen. Die Bücher um den Privatdetektiv Easy Rawlins, der in „Teufel in Blau“ seinen ersten Auftritt hatte, verkauften sich dank der presidential order glänzend. Ganz wollte Mosley sich von dem weißen Demokraten allerdings nicht in lukrative Geiselhaft nehmen lassen. 1997 gab er ein Manuskript demonstrativ nicht an einen großen Verlag, sondern reichte es lässig an die kleine Black Classic Press weiter, die von einem ehemaligen Black-Panther-Aktivisten geführt wird.

Das ist Geschichte. Walter Mosleys aktuelle Serie setzt mit „Manhattan Karma“ (Aus dem Amerikanischen von Kristian Lutz. Suhrkamp, Berlin 2011, 388 S., 9,95 €) im Jahr 2008 ein, mitten in Barack Obamas Wahlkampf: „Ein Schwarzer kandidierte als Präsident ... Weiße wie amerikanische Kinder und Erwachsene hatten Idole wie Snoop Dogg und Tiger Woods.“ Zeit für einen Wechsel? Mosleys neuer Held Leonid McGill ist ein reumütiger New Yorker Privatdetektiv, der sich nicht für Politik interessiert, sondern nur für sein eigenes, verpfuschtes Berufsleben.

Unter anderem hat er im Auftrag seiner Klienten Beweise gefälscht, Unschuldige ins Gefängnis gebracht und für die Mafia gearbeitet: „Sagen wir einfach, ich habe erkannt, dass ich einiges falsch gemacht habe.“ Doch kaum hat McGill einen vermeintlich sauberen Fall angenommen, holen ihn die bösen Geister seiner Vergangenheit ein. Der Detektiv spürt eine Reihe von Männern auf, die anschließend der Reihe nach ermordet werden. Dazu kommen private Probleme: eine notorisch untreue Ehefrau zum Beispiel, die er nicht mehr liebt und die er trotzdem nicht verlassen kann; und einen Sohn, der nicht von ihm ist und der trotzdem den kriminellen Teil seines Charakter geerbt hat. Ach so: Auch die Mafia lässt ihn nicht von der Leine. McGill hat noch jede Menge Karma-Arbeit vor sich: Zwei weitere Bände sind in Vorbereitung.

„Das Richtige tun“ ist das Leitmotiv, das sich durch die Romane Mosleys zieht – und seine Figuren grundsätzlich sympathisch macht. Eine andere Sorte Serienheld ist Michael Forsyth, ein junger, gut aussehender Ire, der in den USA lebt und seine Seele für ein frisch gezapftes Sam Adams und das Lächeln einer Frau dem Teufel höchstpersönlich verkaufen würde. Zunächst einmal hat Adrian McKinty seinen Helden Forsyth in „Der sichere Tod“ eine steile und zuletzt blutige Karriere bei der Mafia machen lassen. Im Nachfolger „Der schnelle Tod" (Aus dem Amerikanischen von Kirsten Riesselmann. Suhrkamp, Berlin 2011, 426 S., 10,30 €) heuert ihn dann im Jahr 1997 der MI5 an, um in der Nähe von Boston eine Zelle mit irischen Terroristen zu unterwandern. Die Sons of Cuchulainn wollen den in den USA geplanten Waffenstillstand zwischen Großbritannien und der IRA sabotieren: „Wir fangen klein und clever an. Ein Bombenanschlag pro Woche. Britische Geschäfte, Firmenniederlassungen, Statussymbole, so was in der Art.“

„Klein“ passt schon, „clever“ sind die Sons of Cuchulainn allerdings nicht. Bereits der Versuch, sich in einem schlecht bewachten Militärstützpunkt mit Sprengstoff zu versorgen, geht schief. Michael muss bei seinen britischen Auftraggebern ziemlich aufdrehen, um eine Prämie für seinen Einsatz herauszuschlagen: Adrian McKinty, 1968 in Belfast geboren, gehört wie Ken Bruen oder John Connolly zur New Wave der irischen Kriminalliteratur, in deren Mittelpunkt leicht unsympathische Losertypen stehen – Trinker, ausgebrannte Killer oder eben triebgesteuerte Freizeitgangster wie Michael Forsyth.

Forsyth fährt den Undercover-Einsatz gründlich an die Wand, auch weil er sich mehr für die sexy Tochter eines der Terroristen interessiert als für seinen Auftrag. Eigentlich könnte Bill Clinton doch auch McKinty einen netten Blurb spendieren. Ich meine: Hat er nicht damals seine Präsidentschaft für einen Blowjob im Weißen Haus aufs Spiel gesetzt?

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