Kultur : "Verdammt in alle Eitelkeit": Lust & Frust & Lust

sann

"Höhe macht impotent" schimpft die Frau des Gerüstbauers Mohammed, die unbedingt schwanger werden möchte. Denn ihr Mann schläft lieber auf dem Sofa und investiert seine schwindenden Kräfte in den Wahlkampf der SPD. Mit ihren Sehnsüchten ist Frau Mohammed eine typische Lambert-Figur, denn auch "Verdammt in alle Eitelkeit" handelt wieder von der Liebe Lust und Frust. Diesmal begibt sich ein unseriöser Wiener Underground-Filmer auf die Suche nach grenzenlos eitlen Berliner Originalen, die er gegen Geld zu Stars machen will. Da sind seine Mutter und ein Masseur, die Garbo-Verehrerin Sylvia, die Transe Juwelia und ihr singender Elektriker-Freund - und Erika Rabau, im sogenannten richtigen Leben Fotografin. Hier tritt sie als Domina Elvira auf.

Lothar Lambert selbst gibt einen seriösen TV-Regisseur, der dem Wiener Betrüger zunächst das Handwerk legt, um dann mit ihm zusammenzuarbeiten. "Verdammt in alle Eitelkeit" ist eine milde Selbstparodie: Auch Lamberts Geschichten leben konsequent vom Exhibitionismus der Laiendarsteller. Das macht seine Filme auf erstaunliche, oft bestürzende Weise authentisch. Er feiert das ausgeflippte - in die Jahre gekommene - West-Berlin, vorzugsweise die Kreuzberger Kiez-Idylle, die einmal Underground war. Seit 30 Jahren agiert Lambert als Regisseur, Produzent, Autor, Cutter und häufig auch Darsteller in seinen Filmen. Die Beharrlichkeit, mit der er sich in dieser längst nicht mehr hippen Existenz behauptet, ist ungeheuer sympathisch.

0 Kommentare

Neuester Kommentar