Kultur : Verdammt lang

30 Jahre BAP: Kölschrock und Tränen im Tempodrom

Sebastian Handke

Es gibt Kölsch im Berliner Tempodrom. BAP startet dort ihre „Greatest Hits Tour“, die sie in den nächsten zwei Jahren in hundert Städte führen wird. Das Publikum ist sichtlich mit der Band gealtert. Nicht jeder hier gehört zu der Sorte Mensch, die sich leicht zur Musik bewegt. Also wird durchgeklatscht, die ganzen drei Stunden. Andere wollen das Ereignis, das möglicherweise ein Abschiedskonzert ist, eher besinnlich begehen.

BAP spielen Lieblingstitel, darunter Songs, die es nicht auf das Album „Drei mal zehn Jahre“ geschafft haben. Zu jedem Stück wird ein Geheimnis verraten: Wie Niedecken während seines Zivildiensts auf Bob Dylan kam, wie eine Promenadenmischung inspirierend wirken kann und wie BAP vor dreißig Jahren bei ihren Gigs im Chlodwigeck alle fünfzehn Minuten pausierten, damit das draußen stehende Publikum nichts verpasst, während es für den Bus Platz macht.

Unterstützt werden die Kölner Veteranen von Nino („Virgina Jetzt“), H Bloxx- Sänger Henning Wehland und schließlich Meret Becker für „das leiseste Stück des Abends“. Danach werden die Gitarren lauter, die Stücke länger, die Soli elaborierter. Mit einer symphonischen Version von „Kristallnaach“ wird der Saal doch noch richtig durchgeschüttelt. Eine der letzten Zugaben ist „Verdamp lang her“, begleitet von lauten Fangesängen. Einige tränenfeuchte Augen sind auszumachen, hier und da.

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