Kultur : Verdrängen und Erklären

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1979 befragte André Müller den Bildhauer in seinem Haus in Düsseldorf. Auf die Frage, was er empfand, als er 1945 erfuhr, „dass diese Leute, mit denen Sie täglich zusammen waren, sechs Millionen Juden ermordet hatten“, sagte Arno Breker: „Heute hab ich’s verdrängt. Heute ist es weg. Denn ich lebe noch, und ich habe den Drang, mich noch zu entwickeln. Im vergangenen Jahr hatte ich einen Infarkt, aber nach acht Tagen habe ich schon wieder das Skizzenbuch unter der Bettdecke gehabt.“

Das vollständige Gespräch ist nachzulesen in: André Müller : Entblößungen. Interviews. Goldmann Verlag, 1982.

1981 gab Arno Breker aus Anlass der umstrittenen Ausstellung in der Berliner Galerie Bodo von Langenn eine öffentliche Erklärung über sein Verhalten während der Nazi-Zeit ab. Der Tagesspiegel vom 27. Mai 1981 zitiert die Erklärung unter der Überschrift: „Breker distanziert sich vom NS-Regime“: „So war ich – welcher Bildhauer wäre nicht davon berührt – begeistert, als ich nach 1933 bildhauerische Aufträge einer Größenordnung erhielt, wie sie nur der Staat vergeben kann. In dieser Zeit und mit dieser Arbeit habe ich einem Regime gedient, dessen Verbrechen, dessen Unmenschlichkeit, dessen Unwertigkeit gerade mir weder bewusst noch von mir unterstützt wurden. Ich wollte sicherlich kein verbrecherisches System verherrlichen.“

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