Vereinte Nationen : Unesco entzieht erstmals Welterbe-Titel

Die Unesco hat erstmals in ihrer Geschichte einen Welterbe-Titel aberkannt: Betroffen ist ein Naturschutzgebiet in dem arabischen Land Oman.

Oman Foto: dpa
Oman will sein Naturschutzgebiet um 90 Prozent verkleinern. Die Unesco reagierte prompt. -Foto: dpa

Christchurch/AucklandDie Unesco hat erstmals in ihrer Geschichte einen Welterbe-Titel aberkannt: Betroffen ist ein Naturschutzgebiet in dem arabischen Land Oman. Außerdem nahm das Welterbe-Komitee bei seiner Sitzung im neuseeländischen Christchurch mehrere Kultur- und Naturstätten neu auf die Welterbe-Liste. Dazu gehören das Opernhaus von Sydney, der Teide-Nationalpark auf Teneriffa, die Altstadt Korfus und das Weinbaugebiet Lavaux am Genfer See. Auch das historische Samarra im Irak wurde aufgenommen, aber zugleich wegen der Kriegsfolgen auf die Rote Liste gefährdeter Stätten gesetzt. Der Welterbe-Antrag Heidelbergs soll voraussichtlich an diesem Freitag beraten werden, Experten rechnen mit einer erneuten Verschiebung wie bereits 2005 wegen Unesco-Nachforderungen.

Der 1994 verliehene Welterbe-Titel für die Region in Oman wurde gestrichen, weil das arabische Land das Naturschutzgebiet um 90 Prozent verkleinern will. Vorgesehen sind dort Erdgas- und Ölförderung. In dem Schutzgebiet leben die vom Aussterben bedrohten Arabischen Oryx-Antilopen und weitere gefährdete Tierarten wie die arabische Gazelle und eine seltene Vogelart, die zu den Trappen zählt. Die Konvention zum Schutz des Weltkultur- und Naturerbes war 1972 in Kraft getreten.

Wallfahrtsort als Weltkulturerbe

Samarra, im 9. Jahrhundert die Hauptstadt der muslimischen Welt, ist heute ein Wallfahrtsort für Schiiten. Nach der Zerstörung der goldenen Kuppel der Grabmoschee im vergangenen Jahr sprengten Extremisten am 13. Juni auch die beiden Minarette der Moschee in die Luft. Die Grabmoschee beherbergt die Reliquien von zwei Geistlichen aus dem 9. Jahrhundert, die von den Schiiten als rechtmäßige Nachfolger des Propheten Mohammed angesehen werden. Die Reste des archäologischen Samarra südlich der modernen Stadt liegen an beiden Ufern des Tigris; 80 Prozent der archäologischen Stätten sind laut Unesco noch nicht freigelegt. Das historische Samarra bezeuge architektonische und künstlerische Innovationen seiner Zeit und habe Einfluss auf die islamische Welt und darüber hinaus gehabt. Die Große Moschee und das Spiralminarett aus dem 9. Jahrhundert gehörten zu den zahlreichen Baumonumenten.

Die Ruinen des archäologischen Samarra sollen im Golfkrieg 1991 beschädigt worden sein, als die Alliierten Angriffe auf Iraks damals wichtigste Chemiewaffenfabrik in unmittelbarer Nähe der Stätten flogen.

"Spektakuläre Landschaft"

In seiner Begründung für die Aufnahme des 1973 eingeweihten Opernhauses von Sydney sprach das Komitee von "einer der großen architektonischen Leistungen des 20. Jahrhunderts", die noch heute Einfluss auf die Baukunst habe. Die am Hafen der australischen Metropole gelegene Oper weckt mit ihrer kühnen Dachkonstruktion Assoziationen von Muscheln oder Segeln. Den Teide-Nationalpark mit seinem 3718 Meter hohen Vulkan Pico del Teide nannte das Gremium eine "spektakuläre Landschaft", die zudem große wissenschaftliche Bedeutung habe. Der Pico del Teide ist der höchste Berg auf spanischem Staatsgebiet.

Der Welterbe-Titel für das rund 30 Kilometer lange Weinbaugebiet Lavaux am Genfer See löste in der Region Begeisterung aus. In den 14 örtlichen Gemeinden läuteten am Mittag extra die Kirchenglocken. Die herrliche Terrassenlandschaft bis vor die Tore Lausannes wurde schon von unzähligen Malern, Fotografen und Dichtern gefeiert. Das aufgenommene Gebiet umfasst 898 Hektar, zumeist Weinberge. Die gegen den Genfersee abfallenden Hänge von Lavaux neigen sich zwischen 13 und 43 Prozent. Der Weinbau in der steilsten Zone, im Dezaley, geht auf die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts zurück und ist Zisterziensermönchen zu verdanken. Das ganze Gebiet ist eine Kulturlandschaft mit alten Häusern, Mühlen und Wehrtürmen geworden, gestaltet von Generationen von Weinbauern, und es gibt auch Hinweise, dass hier bereits von den Römern Wein angebaut wurde.

Neue Namen auf der Liste

Das Welterbe-Komitee beschloss ferner, den Buchenurwald in den Karpaten (Slowakei, Ukraine), das Areal Lopé-Okanda (Gabun), die Richtersveld-Region (Südafrika), das Twyfelfontein-Tal (Namibia) und die Diaolou-Häuser in Kaiping (China) als Welterbe-Stätten anzuerkennen. Des weiteren wurden die Iwami-Ginzan-Silberminen (Japan), die Ruinen von Nisa (Turkmenistan) und das Rote Fort in Delhi (Indien) auf die Welterbe-Liste gesetzt. Ebenso anerkannt wurden die Mehmed-Paa-Sokolovic-Brücke von Viegrad (Bosnien-Herzegowina), der Rideau-Kanal (Kanada) und der Port de la Lune (Mondhafen) in Bordeaux (Frankreich).

Die Welterbe-Stätte Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn in den Schweizer Alpen wird von der Unesco vergrößert - von etwa 54.000 auf mehr als 82.000 Hektar. Das Gebiet ist der am stärksten vergletscherte Teil der Alpen. Es war bereits 2001 auf die Liste gesetzt worden. (mit dpa)

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