Kultur : Verführung (2): Lesung in Weiß

KLASSIK

Helge Rehders

Eine Verführung hat Regisseur Frank Schleinstein, einst Meisterschüler von Ruth Berghaus, seinem Publikum im Musikclub des Konzerthauses versprochen. Was er ihm aber vorsetzt, ist eine Belanglosigkeit. In der Reihe Mythen und Musik soll es um den Traum Antike gehen (wieder am 15. und 21. 2. sowie am 5. 3.). Im ersten Teil muss Claude Debussys Bühnenmusik zur Begleitung von zwölf antikisierenden Gedichten des Fin de siècle-Literaten Pierre Louys für eine abstruse pantomimische Ausdeutung herhalten. Ausgerechnet die Tradition der „Tableaux vivants“, jene Mode des Nachstellens berühmter Bildmotive, die Goethe in den Wahlverwandtschaften so eindrücklich beschreibt, bemüht der Regisseur für dieses Getrippel und melodramatische Gestikulieren. Dafür hat Ausstatter Patrik Tucholski die Bühne mit einem wackeligen weißen Holzkasten und einer schlecht marmorierten Säule (Antike!) zugebaut. Hier müssen zwei in die Jahre gekommene ehemalige Tänzer des Staatsopernballetts und ein vorwiegend unbekleideter Knabe (Sinnenfreude!) erwachende erotische Sensibilität verdeuteln. Im zweiten Teil versinnbildlicht ein vom Regisseur selbst gedrehter Film (Multimedia!) zu Klängen des römischen Komponisten Giorgio Battistelli das Thema Abschied. Schließlich darf die hervorragende Rezitatorin Carolin Masur auch noch singen, Debussys „Trois Chansons de Bilitis“. Dies ist die einzige Verführung des Abends.

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